Ein Sackmesser im Handgepäck – und niemand hat es bemerkt

Nach dem versuchten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug hat die Schweiz ihre Sicherheitsmassnahmen vorübergehend erhöht. Der Fall von Gian Brugger* zeigt: Unter normalen Umständen ist es offenbar auch hier möglich, ein Messer ins Flugzeug zu bringen.

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Ein Sackmesser im Handgepäck – und niemand hat es bemerkt

Ein Sackmesser im Handgepäck – und niemand hat es bemerkt

Jessica Pfister

Es ist Montag, 21. Dezember, kurz vor halb fünf Uhr nachmittags. Gian Brugger steht mit seiner Frau, die den einjährigen Sohn im Arm hält, vor dem Rollband bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen Zürich. Die kleine Familie will mit der 17.20-Uhr-Maschine für fünf Tage nach Barcelona fliegen. Er legt seine Umhängetasche in eine der blauen Boxen, in eine andere seinen schwarzen Wintermantel. Ebenfalls aufs Rollgerät kommen ein Baby-Koffer und der zusammengeklappte Kinderwagen. Nach dem Scan der Gepäckstücke auf dem Rollband fordert der Kontrollbeamte den Familienvater auf, die Umhängetasche zu öffnen. Was das für ein Buch mit CDs sei, fragt er. «Nur ein Hörbuch», erklärt Brugger. Ebenfalls öffnen muss er den Babykoffer, in dem sich ein Hustensirup befindet. Ein kurzer Blick – keine weiteren Fragen.

Ausdrücklich verboten

Erstaunlich ist aber, was die Kontrollbeamten übersehen haben: das Schweizer Standard-Sackmesser in Gian Bruggers Manteltasche. Dieses verfügt unter anderem über eine grosse Klinge, einen Holzsäger und einen Korkenzieher – alles gefährliche Gegenstände, die im Handgepäck ausdrücklich verboten sind. «Sackmesser werden einem bei der Sicherheitskontrolle abgenommen», bestätigt Martin Sorg, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Den konkreten Fall könne er rückblickend aber nicht beurteilen.

Nur so viel: «Unsere Personen werden laufend mit elektronischen Programmen geschult. Da müssen sie auch erkennen können, wenn sich ein Sprengkörper oder Ähnliches im Gepäck befindet.»

«Ich habe das Sackmesser erst beim Rückflug in meiner Tasche entdeckt», so Brugger. Sein Mantel wurde am Flughafen Zürich also gleich zweimal vom Röntgengerät durchleuchtet – und niemand hat etwas bemerkt.

*Name der Redaktion bekannt