Ein Quartier probt den Aufstand

Die Quartiere Sternen, Haslen und Stöcken sollen zur steuergünstigen Gemeinde Uitikon übertreten – für dieses Vorhaben läuft eine Unterschriftenaktion.

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Uitikon

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Limmattaler Zeitung

Sidonia Küpfer

«Die Freude ist gross, das ganze Quartier spricht darüber», sagt Jadwiga Cervoni. Die Noch-Birmensdorferin möchte künftig eine Uitikerin werden - ganz ohne umziehen zu müssen. Cervoni ist die Initiantin einer Unterschriftensammlung mit der Überschrift «Eine aussergewöhnliche fröhliche Weihnachtsnachricht». Diese plant den Übertritt der Birmensdorfer Quartiere Sternen, Haslen und Stöcken zur Gemeinde Uitikon.

550 Unterschriftenzettel hätten sie und ihre Mitstreitenden verteilt, gut 300 Unterschriften seien bereits eingegangen. «Ich habe bislang nur positive Rückmeldungen erhalten», sagt Jadwiga Cervoni, die seit rund sieben Jahren in Birmensdorf lebt und Geschäftsleiterin von sieben Kinderkrippen ist.
Mehr Kontakt zu Uitikon

«Wir haben viel mehr Beziehungen zu Uitikon als zu Birmensdorf», erklärt Cervoni den Grund für das ungewöhnliche Vorhaben. Es gebe Anwohner, die nie nach Birmensdorf hinunter fahren, es sei denn, sie müssten einen eingeschriebenen Brief abholen. Sie selbst sagt: «Ich fühle mich als Uitikerin.» Sie fände es schön, wenn die Kinder aus dem Quartier in Uitikon zur Schule gehen könnten. In diesem Punkt könnte ein allfälliger Anschluss auch für Uitikon interessant sein. Seit einiger Zeit ist klar, dass Uitikon die Auflagen der kantonalen Bildungsdirektion bezüglich Anzahl Sekundarschüler nicht mehr erfüllt und Verhandlungen mit Birmensdorf und Urdorf prüfe.

Die günstigere Steuersituation mit einem Steuerfuss von 77 Prozent in Uitikon bei 110 Prozent in Birmensdorf nennt Cervoni nicht als Hauptgrund, obwohl sie kritisiert: «Wenn der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung sagt: ‹Wir werden uns bald verschulden. Wer ist dafür?›, stimmen alle zu.»
Langwieriges Verfahren

Sollte tatsächlich eine Initiative eingereicht werden, so müssten sowohl die Gemeinde Birmensdorf als auch Uitikon dem Vorhaben zustimmen. Zudem müsste der Regierungsrat den Wechsel bewilligen, wie die Gemeinde Birmensdorf mitteilte. Vorerst will Jadwiga Cervoni den Puls des Quartieres und dessen Einsatzbereitschaft fühlen. Am 8. Februar findet im Üdiker-Huus eine Versammlung statt: «Dort wollen wir sehen, wie viele Personen teilnehmen und dann gemeinsam die weiteren Schritte planen.»

Bruno Bauder, Gemeindeschreiber von Uitikon, hat ein gewisses Verständnis für den Wunsch des Sternen-Quartiers. Die Verbindungen nach Uitikon seien vielfältig: Von den Begegnungen beim Spaziergang mit dem Hund bis zum Gang zur Post. Aber er könne sich nicht vorstellen, dass Birmensdorf fast einen Viertel seiner Einwohner ziehen lasse.

Darum treffe Uitikon auch keine Vorbereitungen: «Wir unternehmen im Moment noch gar nichts», so Bauder. Er gibt aber zu bedenken, dass ein plötzlicher Anstieg der Bevölkerung um 1400 Personen von der Verwaltung nicht ohne weiteres zu bewältigen wäre. Für Jadwiga Cervoni ist klar: «Die Diskussion bewirkt auf jeden Fall ein Umdenken in der Gemeinde Birmensdorf». Und sie wird die beiden Gemeinden auch 2010 noch beschäftigen.