Parteiführung

Ein noch nicht ganz so alter weisser Mann: Balthasar Glättli will die Grünen führen

Balthasar Glättli an der Delegiertenversammlung der Grünen vom Samstag - einen Tag vor Bekanntgabe seiner Kandidatur.

Balthasar Glättli an der Delegiertenversammlung der Grünen vom Samstag - einen Tag vor Bekanntgabe seiner Kandidatur.

Für die Nachfolge von Grünen-Präsidentin Regula Rytz steht derzeit nur einer in den Startlöchern: Der Zürcher Balthasar Glättli.

Der Auftritt war gut orchestriert. In Interviews mit der Sonntagspresse lancierte sich der Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli am Sonntag als ersten und bislang einzigen Kandidaten für das Parteipräsidium der Grünen. Für die Partei ungewöhnlich: Glättli kandidiert allein und nicht zusammen mit einer Frau. Kann ein bald 50-jähriger Mann aus der Deutschschweiz eine Bewegung repräsentieren, deren Aushängeschilder heute junge Frauen sind?

Er habe sich tatsächlich um eine Ko-Lösung mit einer jungen Frau aus der Romandie bemüht, sagt Glättli. Doch die Genferin Lisa Mazzone, Ständerätin und Vize-Präsidentin der Grünen, sagte ab. Aus persönlichen Gründen, wie Glättli ausführt. Eine andere Partnerin kann er sich «eher weniger» vorstellen: «Für ein Ko-Präsidium muss man sich kennen und blind verstehen.»

Die Grünen als Partei der Digitalisierung

Glättli kommt aus der Tech-Szene und hat sich in der Vergangenheit mit einer pointierten Digitalpolitik profiliert. In diese Richtung möchte er auch die Partei steuern. Mit der Klimakrise stelle sich die Wachstumsfrage, und auf diese gebe die Digitalisierung neue Antworten, sagt er: «Mehr Effizienz kann auch bedeuten, weniger zu arbeiten, mehr Zeit zu haben, einfacher zu leben». Mit anderen Worten: Weniger Ressourcen zu verbrauchen. Dafür aber brauche es den Umbau der Gesellschaft.

Mit dieser Themenwahl könnte Glättli das Profil der Partei im inner-linken Konkurrenzkampf schärfen. «Hier unterscheiden wir uns von der SP,» sagt er: Diese sei eher noch an Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung orientiert. Die Grünen seien die Partei der digitalen Zukunft.

Wählen die Grünen Glättli zum Präsidenten, könnte es sein, dass er die Partei in den Bundesrat führt. Dies zumindest sei sein Wunsch, erklärt er. Eine eigene Kandidatur schliesse er aber nach wie vor aus.

Bis Ende dieser Woche können sich noch weitere Kandidatinnen oder Kandidaten für das Präsidium melden. Dann läuft die Frist ab. Die Reaktionen auf Social Media waren am Sonntag verhalten: Glättli erhielt einige Gratulationen und kaum Kritik. Sonst blieb es in der links-grünen Twittersphäre auffallend ruhig.

Meistgesehen

Artboard 1