Ein neuer Verein will den Bergdietiker Golfpark verhindern

Beim Bergdietiker Weiler Herrenberg soll ein 18-Loch-Golfplatz entstehen. Dazu braucht es eine Teiländerung der Nutzungsplanung.zvg

Herrenberg

Beim Bergdietiker Weiler Herrenberg soll ein 18-Loch-Golfplatz entstehen. Dazu braucht es eine Teiländerung der Nutzungsplanung.zvg

Wertvolles Landwirtschaftsland gehe verloren, der Golfbetrieb störe das Ökosystem und mit der Ruhe in Bergdietikon sei es vorbei: Mit diesen Argumenten will der Verein «No Golf @ Herrenberg» die Umsetzung des Bergdietiker Grossprojekts vereiteln.

Bettina Hamilton-Irvine

«Wir können nicht verstehen, dass der Gemeinderat diesem Projekt absolut unkritisch gegenübersteht.» Regula Stauber, die Bergdietiker Präsidentin des neu formierten Vereins «No Golf @ Herrenberg» zeigte an der gestrigen Medienorientierung sofort, dass sie und ihre Mitstreiter bereit waren für einen Kampf. Das Ziel ist klar: Der 93 Hekaren grosse geplante 18-Loch-Golfplatz beim Weiler Herrenberg in Bergdietikon soll verhindert werden. «Die Belastung und das Risiko für Bergdietikon wäre unverhältnismässig viel höher als ein vermeintlicher Prestigegewinn», ist Stauber überzeugt.

Um sich diesem «Mammutprojekt» entgegenzustellen, trete man ab sofort an die Öffentlichkeit, sagte André Gutenberg, Co-Präsident des Vereins. Weil so viele wichtige Fragen offen seien, hätten sich schon über 60Personen dem Verein angeschlossen.

Rückenwind bekommt die Gegnerschaft vom Bauernverband Aargau, dessen Geschäftsführer Ralf Bucher es «eine Tragik» nannte, dass ein Bauer durch das Verpachten seines Landes mehr verdienen könne als mit Landwirtschaft. Aus diesem Grund habe er auch ein gewisses Verständnis für die Bauern, die sich bereit erklärt hätten, ihr Land zur Verfügung zu stellen, sagte Bucher. Doch: «Golfplätze beanspruchen sehr viel Flächen, die bisher der landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung gestanden haben.» Dem Kanton Aargau sei ein Mindestumfang von 40000 Hektaren Fruchtfolgefläche - also ackerfähiges Land - vorgeschrieben. Im Jahr 2008 seien noch 40737 Hektaren ausgewiesen worden und diese Zahl sinke jährlich um etwa 80Hektaren, so Bucher. Der Golfpark würde 46Hektaren Fruchtfolgefläche beanspruchen.

«Das nützt uns wenig»

«Das Versprechen, dieser Boden sei nicht auf ewig verloren, das nützt uns wenig», meinte auch Hans Bieri, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung Industrie und Landwirtschaft. Denn falls es wirklich zu einer Nahrungsmittelknappheit kommen sollte, so Bieri, dauere es mindestens acht bis neun Jahre, bis das Land wieder zurückgebaut sei. Auch dass das Land im Zuge des Projektes ökologisch aufgewertet werden soll, sei ihm kein Trost, meinte Bieri: «Das Naturschutzargument ist gut und recht, aber sicher nicht auf Kosten der Fruchtfolgeflächen.»

Verlust der Biodiversität

Auch Thomas Winter, Geschäftsführer der Stiftung Wirtschaft und Ökologie, liess das Argument der Renaturierung nicht gelten. Zwar würden durch die Massnahmen, welche die Initianten zusammen mit dem WWF, Pro Natura, Bird Life und der Naturschutzgruppe Bergdietikon planen, kurzfristig gewisse seltene Tierarten angelockt. Doch die Störungen durch den Golfbetrieb seien so gross, dass es schliesslich zu einem Verlust der Biodiversität komme, so Winter.

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Urs Auf der Maur, Mitinitiant des Golfparks, vehement. Auf der Maur, der zur Medienorientierung nicht eingeladen war und, wie er sagt, eine offene Kommunikation seitens der Gegner vermisst, verweist auf die Gutachten der Umweltorganisationen, welche mit den Initianten zusammenarbeiten. «Durch die Renaturierungen und ökologischen Aufwertungen schaffen wir neuen Lebensraum für Tiere in einer von der Landwirtschaft ausgeräumten Landschaft», betont er.

Dass die Fruchtfolgefläche schwinde, sei wohl war, so Auf der Maur: Doch habe dies viel mehr mit Bauland als mit Golfplätzen zu tun. Ausserdem gehe das Land nicht verloren, sondern werde nur auf rückführbare Weise umgenutzt. Auf der Maur hofft, dass das Geschäft trotz Widerstand wie geplant der Gemeindeversammlung vom 21.Juni vorgelegt werden kann.

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