Zurzeit fliegt den Promotoren von «Sion 2026» ihre Olympia-Kandidatur um die Ohren. Von Euphorie ist im Land wenig zu spüren, fast 60 Prozent der Walliserinnen und Walliser lehnen die Winterspiele nach neusten Umfragen ab. Zudem schrieb die «Sonntagszeitung», dem Volk würden bewusst zu tiefe Sicherheitskosten vorgegaukelt.

Mitten im Sturm steht Hans Stöckli, Berner Ständerat, SP-Vollblutpolitiker und Vizepräsident des Vereins Sion 2026. Ob in der Talkshow eines Lokalfernsehens oder vor frierenden Eisläufern in seiner Heimatstadt Biel versucht er unentwegt, Begeisterung für den kantonsübergreifenden Grossanlass zu wecken.

Seine Botschaft ist immer dieselbe: Nach 70 Jahren wird es Zeit, dass die Schweiz die Welt wieder einmal für Olympische Winterspiele zu sich einlädt. Und er glaubt selber daran, wenn er sagt, die Schweiz könne nachhaltige Spiele organisieren.

Eine verbreitete Skepsis gegenüber Sportgrossanlässen in der Schweiz und das frühe Scheitern der letzten beiden Bündner Kandidaturen lassen den Berner nicht aus dem Konzept bringen. Stöckli ist ein Macher, ein Strippenzieher und ein Überzeugungstäter, der sich von ein bisschen Gegenwind nicht umhauen lässt.

Er steckt sich hohe Ziele, arbeitet mit enormem Engagement dafür und ist erst zufrieden, wenn er sie übertroffen hat. Für seine Mission impossible hätte sich das Kandidaturkomitee kaum einen Besseren aussuchen können.

Gab es eine Indiskretion?

Nun gerät der 65-Jährige allerdings selber ins Schussfeld der Olympia-Gegner. Laut «Sonntagszeitung» soll er den Berner Regierungsrat gedrängt haben, die neuesten Berechnungen zu den Sicherheitskosten für den eigenen Kanton bis nach der Abstimmung im Kanton Wallis vom 10. Juni zurückzuhalten.

Voraussichtlich werden diese deutlich höher ausfallen, als bisher angenommen. Jetzt liegen die Nerven blank, Stöckli ist empört, spricht von Lügen, und die Berner Regierung reicht Strafanzeige gegen Unbekannt ein.

Eigentlich hat Hans Stöckli gar nichts mehr zu verlieren, sein Leistungsausweis ist längst voll. Als «Mister Expo 02» hat er massgeblich mitgeholfen, die Landesausstellung wieder flott zu machen, als diese tief im Dreck steckte. Nach gehässigen Diskussionen im Vorfeld, erinnert man sich heute nur noch positiv an das grosse Fest im Drei-Seen-Land. Genau dies erhofft sich Stöckli auch für «Sion 2026».

Das freundliche Gesicht von Biel

Als langjähriger Stadtpräsident von Biel hat er ebenfalls schier Unglaubliches geleistet. Durch seinen unerschütterlichen Optimismus brachte er der einstigen Krisenstadt ein neues Selbstbewusstsein und mit Hartnäckigkeit und Bauernschläue führte er sie auch wirtschaftlich wieder auf die Gewinnerseite.

Jetzt steht er am Ende seiner Karriere. Im nächsten Jahr wird der pragmatische Sozialdemokrat voraussichtlich nicht noch einmal zu den Wahlen antreten. Scheitert die Olympia-Kandidatur nun vorzeitig an den Wallisern oder später an den Bernern, würde ihn dies sicher ganz persönlich treffen. Denn eines kann die ehrgeizige Saftwurzel schlecht: verlieren.