A4 im Knonaueramt

Ein Monument der Beschleunigung

A4: Der neue Autobahnabschnitt reicht vom Dreieck Zürich West bis Knonau und ergänzt die Westumfahrung.

A4 im Knonaueramt

A4: Der neue Autobahnabschnitt reicht vom Dreieck Zürich West bis Knonau und ergänzt die Westumfahrung.

Mit der Eröffnung der A4 hat die Zürcher Westumfahrung jetzt ihre Fortsetzung zur Innerschweiz. Die neue Autobahn ist auch ein Versuch, die Bedürfnisse nach Mobilität und Landschaftsschutz in Einklang zu bringen.

Matthias Scharrer

Die Planung der N4 reicht bis ins Jahr 1968 zurück. Gestern, über 40 Jahre später, hat Bundesrat Moritz Leuenberger das Ergebnis eröffnet: Ein 15,9 Kilometer langes Autobahnstück zwischen dem Dreieck Zürich-West und Knonau. Knapp ein Drittel davon verläuft im Islisbergtunnel. Wildüberführungen und ökologische Ausgleichsflächen ergänzen das Bauwerk. Von der Eröffnung an heisst die N4 neu A4. Doch was ist die A4?

10 bis 15 Minuten Unterschied

Ein Monument der Beschleunigung: Wer mit dem Auto aus dem Raum Zürich in Richtung Innerschweiz fährt, muss sich von nun an nicht mehr auf kurvigen, oft überfüllten Landstrassen durchs Sihltal oder über den Hirzel quälen, sondern kann auf der Autobahn durchs Knonauer Amt rauschen. Experten rechnen damit, dass sich die Fahrzeit um 10 bis 15 Minuten verkürzt. Kostenpunkt: 1,1 Milliarden Franken. Das 4-Milliarden-Projekt Zürcher Westumfahrung ist damit abgeschlossen.

Die Dörfer im Knonauer Amt, im Sihltal und in der Hirzelregion werden durch die A4 von Durchgangsverkehr entlastet. Es gibt aber auch Verlierer: Entlang der Zubringerroute vom Freiamt zum Autobahnanschluss Affoltern am Albis ist mit massiv mehr Verkehr zu rechnen. Experten rechnen hier mit 18 000 Fahrten pro Tag. Und: Das einst ländliche Säuliamt wird nun vom breiten Asphaltband der A4 geprägt, über das künftig täglich 50 000 Fahrzeuge rollen.

Die A4 ist auch ein Monument des Wertewandels: Geboren aus dem Fortschrittsdenken der 1960er-Jahre, gebremst vom ökologischen Denken der 70er- und 80er-Jahre, gebaut im Zuge des zunehmenden Standortwettbewerbs der 90er- und 00er-Jahre. Lange Zeit führte der von Zuger Seite her gebaute Autobahnstummel beim Dorf Knonau ins Nichts.

Genauer: In eine Region, die über ihre künftige Identität tief gespalten war. «N4 - nie» meinten die einen. Sie fürchteten um den Verlust einer idyllischen Landschaft. Und warnten vor der Verkehrszunahme, die der Autobahnbau bringen würde. Ihre Hoffnungen zerschlugen die Schweizer Stimmberechtigten mit der wuchtigen Ablehnung der Kleeblatt-Initiative 1990.

Hinterland wird Agglomeration

«Wohnen im Dorf - fahren ums Dorf» lautete der Slogan der anderen. Sie setzten auf die Entlastung der Dörfer, die der Autobahnbau bringen würde. Und hofften gleichzeitig auf einen Entwicklungsschub für die verschlafene Region.

Beide Seiten sollten Recht bekommen. Schon Jahre vor der Eröffnung der A4 hat sich das Wachstum der Dörfer entlang der neuen Autobahnroute beschleunigt. Die Innerschweiz und Zürich rücken näher zusammen. Das einstige Hinterland wird zunehmend Agglomeration, obgleich es bemüht ist, mit Entwicklungsplänen seinen ländlichen Charakter zu erhalten.

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