Amok

Ein Merkblatt für den Amokfall

Merkblätter: In der Oberstufe Unterkulm hängen die wichtigsten Informationen im Lehrerzimmer. (ho)

Pandemie

Merkblätter: In der Oberstufe Unterkulm hängen die wichtigsten Informationen im Lehrerzimmer. (ho)

Blätterflut zum Schulbeginn: Die Pandemie, der Amokfall, ein Brand, das richtige Znüni. Die Schulen sind zumindest auf Papier bestens fürs neue Schuljahr gerüstet. Schulleiter sind dankbar für die Richtlinien.

Sabine Kuster

Im Februar gerät ein Sekundarschüler in Brugg in den Verdacht, ein Amokläufer zu sein (siehe Kasten). Im Mai bedroht ein Sekundarschüler in Basel seine Lehrer und die Mutter. Im Juni droht in Oftringen ein 15-jähriger Realschüler mit einem «Unglück». Gestern wurde bekannt, dass ein 15-jähriger Schüler im Muotatal unter dem Namen eines Mitschülers im Internet mit einem Anschlag auf das Schulhaus gedroht hatte.

Bislang ist es im Aargau und in der gesamten Schweiz in den Schulen bei nicht ernst gemeinten Drohungen geblieben. Keiner der Schüler besass zu Hause eine Waffe. Die kantonale Verwaltung hat sich in den Sommerferien dennoch auf das Schlimmste vorbereitet. Pünktlich zum Schuljahresbeginn hat sie den Schulen ein Merkblatt für Amokfälle geschickt. Das Bildungsdepartement (BKS) hat es in den vergangenen Monaten zusammen mit der Kantonspolizei ausgearbeitet.

Nicht vor Türen stehen bleiben

Darin wird geraten, wie sich Lehrer und Schüler zu verhalten haben, wenn sie nach einem lauten Knall eine Schussabgabe im Schulhaus vermuten. Man solle von der Schulzimmertür wegbleiben und den Aussenbereich der Schule in geduckter Stellung beobachten, heisst es beispielsweise. Und die Lehrperson soll übers Natel oder mit einem Plakat am Fenster vorsichtig versuchen, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Das vollständige Merkblatt ist Lehrern vorbehalten. Denn dieser Krisenfall soll nicht wie beispielsweise ein Brand im Schulhaus mit den Schülern geübt werden. Man wolle späteren Amokläufern keine vorteilhaften Informationen verschaffen, begründet das BKS den Entscheid.

Das Thema Amokfall ist nicht das einzige, zu welchem die Schulleiter in den Sommerferien ein Merkblatt erhalten haben: Sie wurden auch darüber informiert, wie man mit einer Pandemie umgeht (MZ vom 6. 8.) und was Kindergärtler am besten zum Znüni essen sollen (Znüniblatt des Kantonsärztlichen Dienstes).

«Merkblatt ist wirksam»

Peter Merz, Hauptschulleiter in Brugg, ist froh um die Merkblätter. «Es macht keinen Sinn, dass jede Schule für sich diese erstellt», sagt Merz. Das Amok-Merkblatt werde nun als neues Modul in ihr Krisenmanual integriert. Jeder Lehrer werde es griffbereit im Pult haben. Nun stehe aber zuerst die Umsetzung des Merkblattes gegen die Schweinegrippe im Vordergrund.

Alois Zwyssig, Schulleiter der Kreisschule Mittleres Wynental, findet Merkblätter wirksam und glaubt, dass sich die Lehrpersonen im Krisenfall an die wichtigsten Punkte erinnern werden. Zwar erhielten Schulen oft viel Informationen von verschiedenen Ämtern und Institutionen, aber: «Es ist meine Aufgabe, diese für die Lehrpersonen zu filtern.» Auch Emil Klaus, Schulhausleiter der Bezirksschule Lenzburg, sagt, das Schuljahr beginne für die Lehrer mit einem enormen administrativen Aufwand und vielen Elternbriefen. «Eine Hilfe sind die Merkblätter des BKS dennoch - auch als Orientierung am kantonalen Standard», sagt er.

Das BKS verschickt die Merkblätter nicht per Mail oder Post, sondern stellt sie auf das «Virtuelle Schulbüro», auf welches nur Schulleiter Zugriff haben. «Eine gute Sache», finden die befragten Schulleiter. Peter Merz bemängelt allerdings, dass man auf neue Mitteilungen nicht per Mail hingewiesen werde und so nicht immer auf dem neusten Stand sei. Denn diese Internetplattform täglich auf Neuigkeiten zu überprüfen, sei zu viel Aufwand.

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