Max Göldi
«Ein libysches Gefängnis ist wie eine Black-Box»

Am Montag wurde die Schweizer Geisel Max Göldi ins Gefängnis überführt. Er soll dort seine viermonatige Strafe abhocken. Daniel Graf von Amnesty International befrüchtet, dass Göldi in der Haft komplett isoliert ist. Göldis Situation hat sich mit den jüngsten Ereignissen extrem verschlechtert, sagt Graf.

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Ayn Zara Gefängnis in Tripoli

Ayn Zara Gefängnis in Tripoli

Zur Verfügung gestellt

Beat Rechsteiner

Herr Graf, was erwartet Max Göldi im Gefängnis?

Daniel Graf: Die Bedingungen in libyschen Gefängnissen sind prekär. Oft sind sie überbelegt, die sanitären Anlagen sind sehr schlecht und uns liegen Berichte vor, wonach Gefangene von Wärtern geschlagen und misshandelt werden.

Was ist Ihre grösste Sorge?

Graf: Ein libysches Gefängnis ist wie eine Black-Box. Es ist jeweils sehr schwierig für Aussenstehende, Genaueres über den Verbleib von Häftlingen und ihren Gesundheitszustand zu erfahren. Eine grosse Sorge ist, dass Max Göldi im Gefängnis total isoliert wird, dass der Kontakt zu den Anwälten, zu den Behörden und vor allem auch zur Familie abbricht.

Muss Göldi damit rechnen, derart schlecht behandelt zu werden?

Graf: Es ist zu erwarten, dass Max Göldi einen gewissen Schutz geniesst, weil sein Fall mittlerweile eine internationale Dimension angenommen hat. Dennoch ist es für ihn sehr schwer, jetzt erneut in ein libysches Gefängnis gehen zu müssen. Schliesslich musste er zu Beginn der ganzen Affäre schon einmal in ein sehr übles Gefängnis und er wurde später während mehrerer Wochen in Haft isoliert.

In welcher psychischen Verfassung befindet er sich?

Graf: Wir haben vor Weihnachten eine Solidaritätsaktion gestartet im Wissen darum, dass es den beiden Schweizern sehr schlecht geht. Die Anspannungen der letzten Wochen mit all den Prozessen und Verschiebungen haben zudem sicher auch ihre Spuren hinterlassen. Für Max Göldi ist es nun doppelt schwierig, weil er sich trotz der schlechten Erfahrungen erneut einer Gefängnishaft aussetzen muss. Seine Situation hat sich massiv verschlechtert. Bisher stand er unter dem Schutz der Botschaft, jetzt ist er wieder ganz in den Händen der libyschen Behörden.

Kann man sich auf die Ankündigungen von Göldis Anwalt verlassen? Er hat gesagt, dass Besuche gestattet sind, dass ein Übersetzer zur Verfügung steht und dass die medizinische Versorgung gewährt ist.

Graf: Die Erfahrung in diesem Fall lehrt uns, dass wir immer mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Hoffen wir, dass sich die Ankündigungen des Anwalts bewahrheiten.

Was unternimmt Amnesty International? Werden Sie Kontakt mit Göldi aufnehmen?

Graf: In der Regel haben wir keinen Zugang zu libyschen Gefängnissen. Wir haben aber einen dringenden Solidaritätsappell gestartet, um zu zeigen, dass die Menschen Anteil nehmen.