Ein Koch verdirbt den Brei

Viele Köche verderben den Brei, meint ein geflügeltes Wort – bei den Schulpflegewahlen in Niederlenz ist es nur einer: Markus Koch, alleinerziehender Vater mit bemerkenswerter Politlaufbahn, ist schuld daran, dass der «Brei» einer stillen Wahl nicht möglich ist.

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Markus Koch

Markus Koch

Aargauer Zeitung

Peter Schmid

Als Markus Koch, Jahrgang 1965, Informatiker und Familienmann, wie er sich selber bezeichnet, im vergangenen Frühjahr als Kandidat der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) mit 1720 Stimmen überraschend in den Grossen Rat gewählt wurde, wurde er erstmals von einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen - vor allem wegen der Turbulenzen, die seiner Wahl folgten. Jetzt kandidiert Koch für die Schulpflege Niederlenz, nicht mehr als Vertreter der BDP, denn die hat ihn aus der Partei ausgeschlossen, sondern als Parteiloser.

Keine Chance als Gemeinderat

Eigentlich wäre Koch lieber Gemeinderat geworden. Er hatte auch die 10 Unterschriften beisammen, die zu einer Kandidatur berechtigen. Doch mit seinen Ambitionen taten sich die etablierten Parteien schwer. Mit Heiri Zobrist, dem noch amtierenden Schulpflegepräsidenten, fanden sie einen Gegenkandidaten, gegen den Koch keine Chancen sah. Er verzichtete. Engagiert hat er sich trotzdem in der Gemeinde, in der er einst aufgewachsen ist. Er ist Mitglied der Kommission Tempo 30, der Jugendkommission und trainiert eine Gruppe von FC-Junioren. Übrigens: Koch heisst eigentlich Hiltmann, doch trägt er den Namen seiner Ex-Frau.

Mit dem Wechsel Zobrists wurde ein Sitz in der Schulpflege vakant. Hier sah Koch seine Felle nicht schon zum Voraus davonschwimmen, obwohl die Parteien fünf Kandidaten für die fünf Sitze fanden. Darunter befinden sich Leute, die noch nicht lange in Niederlenz wohnen und deshalb der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Trotzdem ist Kochs Handicap gross.

In einem Communiqué zum Parteiausschluss schrieb die Parteileitung der BDP am 8. März: «Wenige Stunden vor dem Schliessen der Wahlurnen (der Grossratswahlen) hat Herr Koch auf einer öffentlichen Internet-Community eine eigene Werbeseite für eine andere Partei geschaltet und sich als BDP-Kandidat für die andere Partei starkgemacht. Gleichzeitig hat er sich an mehreren anderen, ebenfalls öffentlich einsehbaren Stellen gegenüber diversen Politikern in unflätiger Weise geäussert, welche mit der explizit hervorgehobenen Parteilinie des politischen Anstands Andersdenkenden gegenüber nicht vereinbar ist.»

Anschluss an Familiä-Partei

Koch suchte dann eine Annäherung an René Bertschingers Familiä-Partei, die, so schien es, unverhofft zu einem Grossratsmandat gekommen war. Doch dann gingen Meldungen durch die Medien, dass Koch gut 100 Betreibungen am Hals habe und auf einem noch höheren Schuldenberg sitze. Zudem wurde gegen ihn wegen Urkundenfälschung ermittelt, denn er hatte einen Betreibungsauszug gefälscht, um zu einer Wohnung zu kommen. Unter dem öffentlichen Druck verzichtete Koch auf sein Mandat.

Koch hofft auf Lottogewinn

Das und Kochs Neigung, sich oft, lautstark und nicht immer im Rahmen üblicher Regeln zu Worte zu melden, führt im Vorfeld der Schulpflegewahlen zu Diskussionen. Kochs grösstes Anliegen ist es, Alleinerziehenden zu helfen. Er verzichtet auf Sozialhilfe, muss aber damit leben, dass er in einer Schuldenfalle gefangen ist. In seiner Situation sei das fast unumgänglich, sagt er und meinte der AZ gegenüber am 11. April ironisch, dass er auf einen Lottogewinn hoffe. Seine unmissverständlichen Meinungen tut er auch immer wieder in Leserbriefen kund. So schrieb er zum «künstlichen Hype um die Schweinegrippe» am 28. Oktober im «Blick»: «Wir werden zu Versuchskaninchen in einem grossen Feldtest.» Man sollte deshalb vom Arzt eine Bescheinigung verlangen, dass er für alle Folgeschäden haftet.

Nebst Kochs Kandidatur regt ein zweiter Aspekt zum Nachdenken an: Sämtliche sechs Schulpflegekandidatinnen und -kandidaten sind parteilos. Es könnte der Eindruck entstehen, die Parteien hätten abgedankt. Dass die Schulpflegewahlen erst am 29. November stattfinden, ist auf die Reduktion von 7 auf 5 Mitglieder zurückzuführen, was nach dem entsprechenden Gemeindeversammlungsbeschluss vor der Wahl an der Urne zu bestätigen war.

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