Goldinitiative

Ein Ja würde weltweiten Goldrausch auslösen

Der Goldpreis könnte bei einer Annahme der Initiative um 15 Prozent steigen.

Der Goldpreis könnte bei einer Annahme der Initiative um 15 Prozent steigen.

Die Befürworter der Goldinitiative setzen viel Geld für den Abstimmungskampf ein. Wer dahinter steckt, ist offen. Klar ist: Ein Ja an der Urne nützt Spekulanten und Goldbesitzern.

Das Thema ist komplex, doch die Dimensionen sind gewaltig: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wies im Oktober Währungsreserven im Wert von 522 Milliarden Franken aus. Der Goldbestand von 7,5 Prozent entspricht einem Wert von rund 39 Milliarden Franken. 

Bei Annahme der Initiative müsste die SNB innert fünf Jahren für rund 60 Mrd. Franken Gold zukaufen, um die gesetzlich geforderten 20 Prozent des Goldbestandes zu erreichen. Beim aktuellen Goldpreis von rund 1170 Franken pro Unze entspricht dies 1620 Tonnen.

Dieser Zukauf entspricht fast der Hälfte der weltweiten Halbjahres-Nachfrage auf dem Goldmarkt. Eine Intervention in dieser Grössenordnung würde den Goldpreis in die Höhe treiben. Die Analysten der Bank of America rechnen in einer Studie mit einem Anstieg von 1170 Franken auf 1350 Franken pro Unze.

Damit stellt sich die Frage, wer könnte von steigenden Goldpreisen profitieren? Ein Preisanstieg von 15 Prozent begünstigt die Goldreservehalter, die einen Gewinn verbuchen können.

Ein Sprecher der Zürcher Kantonalbank (ZKB) als weltweit drittgrösster Goldreservehalter sagt gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Ein steigender Goldpreis erhöht die Attraktivität für Anleger, in das Edelmetall zu investieren.»

Für den ZKB Gold Exchange Traded Fund, der den Goldpreis 1:1 abbildet, bedeutet dies: Eine erhöhte Nachfrage führt zu einer Wertsteigerung des Produktes, verbunden mit höheren Einnahmen für die Bank. Bezogen auf das Gesamtergebnis sei dieser Betrag jedoch relativ klein. Mit anderen Worten: Goldeigentümer würden von einer Annahme der Initiative profitieren.

Einbusse der Glaubwürdigkeit

Doch die Goldbesitzer wären bei Annahme der Initiative nicht die einzigen Profiteure. Der geforderte 20 Prozent Goldbestand und die Bedingung der Unverkäuflichkeit führen zur Aufblähung der SNB-Bilanz.

Bei einer künftigen Intervention der SNB auf den Devisenmärkten, wie dies etwa bei der Etablierung der Mindestkurs-Politik 2011 der Fall war, muss diese Gold zukaufen, da sonst der Bestand unter 20 Prozent fällt. Mit dem Goldreserveanteil steigt folglich auch die Bilanzsumme. Für Marktteilnehmer wird somit das Verhalten der SNB abschätzbar.

Die SNB würde versuchen, die Goldbestände nicht dauernd zu erhöhen. Dies bedeutet, dass sie am Devisenmarkt zurückhaltend wäre, wie SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagte. Zusätzlich hat die SNB das Interesse, den Goldpreis zu stützen, damit er nicht zu tief fällt. Auch dann ist die SNB zu Goldkäufen gezwungen, um die geforderte Mindestreservemenge von 20 Prozent zu erreichen.

Die Bank of America beschreibt den Mechanismus anhand des Mindestkurses für den Euro so: Die SNB kaufte 2011 Devisen im Wert von rund 250 Mrd. Dollar. Zusätzlich hätten damals 50 Mrd. Dollar in Gold gekauft werden müssen, um den Goldbestand von 20 Prozent zu erreichen.

Bei einer Erholung der Lage an den Finanzmärkten, werden die Devisen wieder abgebaut, nicht aber die Goldreserven, da diese gemäss Initiativtext unverkäuflich sind. Diese Einschränkung ist eine Einladung zu spekulieren.

Denn würden Spekulanten grosse Mengen an Franken gegen Euro kaufen, droht der Wechselkurs unter 1.20 zu fallen. Dies führt heute dazu, dass die SNB Euro gegen Franken kauft, um eine Aufwertung zu verhindern.

Unter dem Regime der Initiative aber wären die Währungshüter zurückhaltend, da sie nicht unter allen Umständen den Goldbestand erhöhen will. Folglich interveniert die Nationalbank nicht bei allen Aufwertungsrisiken, was Schweizer Wirtschaftsakteure künftig höheren Risiken und Unsicherheiten aussetzt. SNB-Direktor Fritz Zurbrügg sagte der «Nordwestschweiz», dass die Einführung des Mindestkurses mit einer fixen Gold-Vorgabe von 20 Prozent nicht mit der gleichen Glaubwürdigkeit hätte umgesetzt werden können, wie dies 2011 der Fall war. Unabhängige Goldexperten formulieren die Situation drastischer: «Mit der Annahme der Initiative wird die SNB destabilisiert und zum Spekulationsobjekt - nicht nur beim Gold, sondern über den gesamten Anlagepool hinweg», sagt Stephan Müller von Swiss Global & Asset Management.

Risiko für die Wirtschaft

Ein Ja am 30. November schränkt somit die SNB massiv in ihrer Aufgabe ein, für Preisstabilität zu sorgen, was die Wirtschaft Risiken und Unsicherheiten aussetzt. Der Preisanstieg ist schwer zu beziffern, weil der Goldmarkt schon immer sehr volatil war. Klar aber ist: Gold wird teurer und davon profitieren private Goldbesitzer.

Die grössten privaten Goldreserven

  1. SPDR Gold Shares (USA) 1301,49 Tonnen
  2. ETF Securities Gold Funds (GB) 0325,79 Tonnen
  3. ZKB Physical Gold (CH) 0230,92 Tonnen
  4. COMEX Gold Trust (USA) 0194,68 Tonnen
  5. Julius Baer Physical Gold Fund (CH) 0108,71 Tonnen
  6. Sprott Physical Gold Trust (CAN) 0050,29 Tonnen
  7. NewGold ETF (SA) 0042,45 Tonnen
  8. ETFS Physical Swiss Gold Shares (CH) 0034,44 Tonnen

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