Neue Staffeleggstrasse

Ein hoher Preis für eine neue Strasse

Der 3,1 Kilometer lange Staffeleggzubringer hat neben viel Geld auch viel Zeit und Nerven gekostet. Jetzt ist die neue Umfahrung eingeweiht worden, eröffnet wird sie aber erst Mitte Dezember.

Toni Widmer

1989 hat Georges Stauffer seine Stelle beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) angetreten, im nächsten Jahr geht er in Pension. Ein Projekt hat ihn in all den Jahren mehr oder weniger stark beschäftigt und ihn wohl auch ein paar Nerven gekostet: «In meinem Büro hängt der erste Plan der Neuen Staffeleggstrasse. Er ist mit 1955 datiert», erklärte der Gesamtprojektleiter der Umfahrung von Aarau und Küttigen.

Sie ist gestern im Rahmen des Küttiger Tunnelfestes eingeweiht worden und Stauffer blickte auf ihre bewegte Geschichte zurück: Das erste generelle Projekt lag 1964 vor, wurde aber erst 1980 ins kantonale Mehrjahresprogramm aufgenommen. Das mit der Auflage, dass im Horentäli ein Tunnel gebaut würde. 1984 wurde ein überarbeitetes Projekt (mit Tunnel) vom Grossen Rat genehmigt.

Gegener versuchten das Projekt zu bodigen

Mit der Volksinitiative «Mehr Demokratie im Strassenbau» versuchten in der Folge vehemente Gegner des Projekts, dieses zu bodigen. Das Aargauer Stimmvolk genehmigte 1987 jedoch den Gegenvorschlag, der - unter anderem - das Mitwirkungsverfahren bei Strassenbauprojekten verbesserte.

«Die Neue Staffeleggstrasse war auch die erste im Aargau, für die eine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) nötig war», erklärte Stauffer und erinnerte sich an langwierigen Einspracheverhandlungen, welche der Projektbewilligung von 1994 folgten und sich über die Jahre und Gerichtsinstanzen hinzogen.

2000 erfolgte eine weitere Überarbeitung des Projekts. Dabei wurden die Aarebrücke tiefer gelegt und der Horentunnel um 100 auf 700 Meter verlängert. Im Juli 2004, 49Jahre nach dem Vorliegen des ersten Planes, konnte schliesslich der Spatenstich stattfinden.

Nicht überall gleich viel Jubel

Die neue Strasse habe viel gekostet, sagte Baudirektor und Landammann Peter C. Beyeler. Und damit meinte er nicht nur Geld, sondern ebenso Zeit, Nerven und ein Stück landschaftliche Idylle. Im Rahmen des Begleitprojekts, gab sich Beyeler überzeugt, habe jedoch insbesondere im Rohrer Schachen ein gewisser Ausgleich für das von der neuen Strasse stark tangierte, vormals unberührte Horentäli geschaffen werden können.

Er sei sich bewusst, sagte der Baudirektor weiter, dass die für Mitte Dezember bevorstehende Eröffnung des Staffeleggzubringers nicht überall gleich viel Jubel auslöse: «Hier in Küttigen darf man sich freuen, das Dorf wird vom Durchgangsverkehr massiv entlastet. Auf der anderen Talseite, in Densbüren, Herznach und Ueken, ist die Begeisterung weniger gross.»

Der Kanton wolle jedoch die nötigen Begleitmassnahmen treffen, dass auch die dortige Bevölkerung nicht im Verkehr untergehe. Unsere Mobilität, sinnierte der Baudirektor, sei nicht gratis zu haben. Sie koste Geld und Opfer, aber sie sei nun einmal für die Entwicklung des Kantons unverzichtbar.

Das Küttiger Tunnelfest, das gestern rauschend begonnen hat, bietet heute Sonntag viele weitere Attraktionen.

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