E-Zigaretten
Ein heisser Kampf um eine kalte Zigarette

Präventionsorganisationen stören sich an Werbesendungen für nikotinfreie Glimmstängel im Fernsehen. Denn das «Dampfen» von so genannten E-Zigaretten sei ein Einstieg in den Tabakkonsum. Die Hersteller sehen das anders.

Sermîn Faki
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Das Werbe- und Vertriebsunternehmen Mediashop TV preist in seinem Programm, das auch auf mehreren regionalen Privatsendern läuft, elektronische Zigaretten an. Es handelt sich um die Marke «Clever Smoke», die «null Prozent Schadstoffe und 100 Prozent Genuss» verspricht. Inklusive Aufladegerät, Etui und 25 Aroma-Kapseln in den Sorten Tabak, Menthol, Vanille, Kaffee und Apfel kostet das Set 99 Franken.

Bei Präventionsorganisationen stossen die Werbesendungen auf Kritik: «Wir sind absolut dagegen, dass auf Schweizer Fernsehsendern Werbung für E-Zigaretten gemacht wird», sagt Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. In dieser Dachorganisation sind zum Beispiel die Lungenliga, die Krebsliga sowie die Kantone Mitglied.

El Fehri stört sich daran, dass E-Zigaretten wie gewöhnliche Zigaretten der Tabaksteuer unterliegen, im Gegensatz zu diesen aber beworben werden dürfen. «Das ist unlogisch», findet sie – zumindest bis die Tabaksteuer auf E-Zigaretten nach einem Entscheid des Parlaments aufgehoben wird. Dieses hatte im letzten Jahr eine Motion des Solothurner SP-Ständerats Roberto Zanetti gutgeheissen, welche die Steuerbefreiung der E-Zigarette forderte. Diese enthalte schliesslich keinen Tabak.

Nur nikotinfreie Version im Handel

Zwar sieht eine E-Zigarette einer normalen Zigarette ähnlich. Sie funktioniert aber ohne Verbrennung. Stattdessen wird bei jedem Zug mithilfe elektrischer Spannung eine winzige Menge einer aromatischen Flüssigkeit erhitzt, verdampft und in feinen Nebel umgewandelt. Es gibt auf dem Markt auch nikotinhaltige Flüssigkeiten zum Einfüllen in die E-Zigarette, in der Schweiz dürfen diese aber gewerbsmässig nicht vertrieben werden. Daher sei Werbung für die E-Zigaretten auch legal, solange Anforderungen der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung eingehalten würden, wie das Bundesamt für Gesundheit mitteilt. Privat kann jeder Schweizer allerdings auch nikotinhaltige Aroma-Kapseln aus dem Ausland beziehen. Diese Einsätze oder Tanks passen auch in die in der Schweiz gehandelten Zigaretten, wie die Firmen Hemag Nova und Zirel bestätigen, die E-Zigaretten vertreiben.

Für Stefan Meile von Hemag Nova ist die Haltung des Bundes daher nicht nachvollziehbar. «Aus Präventionsgründen müsste der Staat ein Interesse daran haben, dass Raucher auf die E-Zigarette umsteigen», sagt er. Denn man könne die E-Zigarette als Hilfsmittel benutzen, um mit dem Tabakkonsum aufzuhören, indem man den Nikotingehalt fortwährend reduziert. Zudem könnten mit dem Privatimport aus dem Ausland weder Qualitätsstandards kontrolliert noch Gefährdungen durch falschen Gebrauch verhindert werden. Allerdings hätten Staat und Tabakkonzerne mehr Interesse an Einnahmen aus dem Verkauf von normalen Zigaretten, vermutet Meile.

Einstieg zum Tabakkonsum?

Verena El Fehri kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Dass E-Zigaretten zur Entwöhnung taugen, habe bislang nicht bewiesen werden können, sagt sie. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass das «Dampfen» der Einstieg zum Tabakkonsum sei.

Daher kritisiert sie auch Werbung, wie sie Mediashop TV zeigt. Dort werde der Akt des Rauchens beworben, «was wir unter Präventionskriterien nicht gutheissen können». Mediashop TV mit Sitz im liechtensteinischen Triesen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.