Solothurn
Ein Heim auf Brautschau

Das Kinderheim Bachtelen in Grenchen und der Heilpädagogische Dienst in Solothurn wollen fusionieren. Ende April haben sie eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Heute Abend entscheidet der Trägerverein des «Bachtelen» über das weitere Vorgehen.

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Fusion

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Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Für die Kundschaft ändert sich nichts. Die Anlaufstelle in Solothurn bleibt erhalten. Sie dürfte vom heutigen Team weiterhin betreut werden. Von der Zusammenlegung erhoffen sich beide Partner vor allem eine Verstärkung im fachlichen Bereich. «Das Interesse an der Fusion ist von beiden Seiten gekommen. Der Heilpädagogische Dienst (HPD) hat einfach zuerst gefragt», sagt Karl Diethelm auf Anfrage. Der Gesamtleiter des Kinderheims Bachtelen sieht im Schulterschluss nur Vorteile: «Im Bachtelen fehlt uns der Vorschulbereich. Gerade in diesem Bereich ist der Heilpädagogische Dienst stark. Sie können hingegen von unseren Angeboten für Kinder im Schulalter profitieren.» Heute bedeute der Schuleintritt für die Betreuungsarbeit in der Familie oft das Ende.

Fusion bringt mehr als Zusammenarbeit

Die beiden Institutionen arbeiten längst zusammen. Der HPD Solothurn weist dem «Bachtelen» regelmässig Kinder zu. Seit dem letzten Jahr führen sie in Solothurn gemeinsam eine Eingangsstufe für 5-jährige Kinder mit schweren Kommunikationsbehinderungen. «Dafür haben wir auf unserem Areal in Grenchen schlicht keinen Platz mehr», so Diethelm.

Sonderschulen nicht betroffen

Die Fusionspläne des Heilpädagogischen Dienstes (HPD) Solothurn und des Kinderheims Bachtelen tangieren die Heilpädagogischen Sonderschulen nicht.
Die Heilpädagogischen Sonderschulen in Solothurn und Grenchen sind selbstständig, arbeiten aber zusammen. Ein allfälliger Zusammenschluss von HPD und «Bachtelen» hat auf sie keinen Einfluss, wie der Grenchner Sonderschulleiter Urs Wirth bestätigt. In Zukunft könnte er sich eine Kooperation mit dem «Bachtelen» aber vorstellen. Denn die Tendenz gehe in Richtung grösserer Kompetenzzentren. Zur Kantonalisierung der Sonderschulen habe er im Kantonsrat einen Auftrag aufgegeben, erklärt der Grenchner SP-Kantonsrat. Bei der Heilpädagogischen Sonderschule Solothurn bestätigt Schulleiter Edy Friedli diese Einschätzungen. «Die meisten unserer Schulkinder werden vor dem Eintritt bei uns vom HPD betreut. Daran würde sich nichts ändern, falls der HPD mit dem ‹Bachtelen› fusioniert.» (dd)

Erste Gespräche über eine Kooperation haben das «Bachtelen» und der HPD Solothurn letztes Jahr geführt. «Es hat sich gezeigt, dass eine Fusion mehr Sinn macht als eine blosse Kooperation», sagt Karl Diethelm. Erste Früchte dieser Verhandlungen waren eine gemeinsame Absichtserklärung Ende April.

Der Trägerverein des HPD Solothurn habe die Marschrichtung bereits gut geheissen, erklärt dessen Präsident, Beat Meier. Heute Abend wird sich der Trägerverein des Kinderheims Bachtelen an der Hauptversammlung damit befassen. Gesamtleiter Karl Diethelm ist zuversichtlich, dass der Vorstand die Kompetenz erhält, die Fusionspläne voranzutreiben. Mit Blick auf die bestehende Zusammenarbeit sagt er: «Eine Fusion heisst Kulturen zusammenführen, und das geht am besten über Projekte.»

Team in Solothurn bleibt bestehen

HPD-Präsident Beat Meier äussert sich zurückhaltender: «Wir wollen nicht Erwartungen wecken, die wir dann nicht einhalten können. Wir stehen hinter den Fusionsplänen. Aber damit ist noch nicht gesagt, dass es wirklich klappt.» Aus der Sicht des HPD sei es entscheidend, dass das Angebot in Solothurn erhalten bleibt. An der Bergstrasse teilen sich gegenwärtig 15 Personen, Heilpädagogen und Psychologen, achteinhalb Vollzeitstellen. Das Haus befindet sich im Besitz des Trägervereins. «Wir sehen uns als eigenständiges Team, und ein Team das funktioniert, sollte man nicht auseinandernehmen», betont Beat Meier.

Dazu besteht in Grenchen keine Absicht, wie Karl Diethelm bestätigt. «In Solothurn braucht es auf jeden Fall eine autonome Aussenstelle. Das Personal wird übernommen.» Dass aufgrund der Fusion neue Stellen geschaffen werden, hält der «Bachtelen»-Gesamtleiter für unwahrscheinlich. Längerfristig sei eine Aufstockung allerdings nicht auszuschliessen.

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