Comagic
Ein Happy End für die Familie Comagic

Überraschende Wende im Fall der Familie Comagic: Die Zwillinge und ihre Mutter müssen die Schweiz nun doch nicht verlassen. Das Zürcher Verwaltungsgericht hat den Entscheid des Regierungsrates aufgehoben.

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Comagic Zwillinge

Comagic Zwillinge

Limmattaler Zeitung

Philippe Klein

Die 16-jährigen Zwillinge Aleksandra und Tijana Comagic aus dem Zürcher Engequartier dürfen in der Schweiz bleiben. Dies, obwohl ihre Mutter eine Scheinehe eingegangen ist und so ihr Aufenthaltsrecht in der Schweiz verwirkt hat. Um die Einheit der Familie zu gewährleisten, soll auch die Mutter eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Der Entscheid des Regierungsrats vom vergangenen Februar, die drei auszuweisen, wird aufgehoben. Dies hat das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich beschlossen, wie aus einem gestern publizierten Urteil hervorgeht.

Die Situation der Töchter Comagic, die beide fast vollständig in der Schweiz aufgewachsen sind und trotzdem nach Serbien ausgewiesen werden sollten, beschäftigte schon viele Instanzen. Im Gegensatz zu früheren juristischen Einschätzungen hat das Verwaltungsgericht statt der Lage der Mutter nun das Wohl der Kinder ins Zentrum gestellt.

Im Urteil heisst es, die Zwillinge hätten seit Beginn des «langwierigen Verfahrens» und der «zweieinhalb prägenden Jahre der Adoleszenz» wichtige Integrationsschritte vollzogen und seien nunmehr - obwohl noch immer minderjährig - als selbstständig und von der Mutter losgelöste Persönlichkeiten zu betrachten.

Randständigkeit wäre möglich

Diese Sichtweise gab schliesslich den Ausschlag dafür, dass der Fall jetzt anders beurteilt werden konnte. Weil das Schicksal der Kinder nicht mehr demjenigen der Mutter untergeordnet wird, hat sich die für eine Neubeurteilung des Falles nötige «wesentliche Veränderung der Ausgangslage» ergeben.

Wenn man den Fokus auf die Kinder richtet, sei eine Rückführung für die Zwillinge nach Serbien, wo sie nur bis zum Alter von eineinhalb Jahren gelebt haben, nicht rechtens. Eine Integration sei für sie dort kaum mehr möglich, urteilt das Verwaltungsgericht. Die Rückführung könne nämlich mit dem «Scheitern der Ausbildung, der Berufstätigkeit und letztlich der wirtschaftlichen Selbstständigkeit» verbunden sein und berge das Risiko gesellschaftlicher Randständigkeit.» Das Verwaltungsgericht fordert den Regierungsrat auf, der Familie Comagic eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Die Gerichtskosten muss der Kanton tragen. Die Familie erhält eine Entschädigung. Der Entscheid kann vor Bundesgericht angefochten werden.

Weiterzug ist möglich

Der Zürcher Regierungsrat äusserte sich gestern nicht zum Urteil des Verwaltungsgerichts. Wie Cristina Schiavi, stellvertretende Regierungssprecherin auf Anfrage sagte, kommentiere man Entscheide des Verwaltungsgerichtes aus Prinzip nicht. Ferner sei weder der Regierungsrat noch die Sicherheitsdirektion nun beim Bundesgericht beschwerdeberechtigt. Sie sagt, der Ball liege ausschliesslich beim Bundesamt für Migration. Ob dieses den Entscheid anficht, war gestern noch nicht klar. Jonas Montani, Sprecher des Bundesamts: «Wir werden das Urteil jetzt ausführlich studieren und dann die einzelnen Szenarien prüfen.»

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