Lohntabelle 2013
Ein Finanzcontroller verdient 16'700 Franken, eine Coiffeuse nur 3400

Ein Buch zeigt die 8200 üblichen Löhne in der Schweiz: Der Unterschied zwischen Tieflohngewerbe und Spitzenlöhnen beträgt rund 13'000 Franken. Nicht mitgezählt sind dabei die Managergehälter grosser Firmen.

Hans Lüthi
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Aargauer Zeitung
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Die Löhne sind ein Reizthema, die Unterschiede sind und bleiben riesig, je nach Branche, Region, Alter und Funktion. Generell gilt die Faustregel, je schlechter die Ausbildung, desto dünner die Lohntüte. Bei Mindestlöhnen von 3000 bis 4000 Franken für Berufseinsteiger ist es bei heutigen Preisen für Wohnung, Krankenkasse und Lebensunterhalt nicht leicht, ohne Hilfe über die Runde zu kommen. Das Lohnbuch 2013 «über die Mindestlöhne und die orts- und berufsüblichen Löhne der Schweiz» ist erneut gewachsen: Auf 800 Seiten enthält der fast 1,9 Kilogramm schwere Wälzer über 8200 Löhne. «Erstmals haben wir Farbgrafiken eingefügt und treffende Zitate», sagt Autor Philipp Mülhauser zu seinem Fleisswerk. Muster gefällig? «Es sagte der Clown zum Zirkusdirektor: Bei diesem Lohn hört bei mir der Spass auf», notiert von der Schweizer Autorin Brigitte Fuchs.

Zürcher Löhne sind die Basis

Vor 15 Jahren ist das grosse Schweizer Lohnbuch vom Kanton Aargau lanciert worden. Im Hinblick auf die bilateralen Verträge mit der EU wollte man eine umfassende Dokumentation, um Lohndumping ausländischer Firmen besser bekämpfen zu können. Als erster Gastautor äussert sich Professor Yves Flückiger von der Uni Genf über die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf die Schweizer Löhne.
Seit vier Jahren wird das Buch vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich herausgegeben, aber Philipp Mülhauser ist der Autor geblieben. Als Basis dienen die Zürcher Löhne, auch beim Staatspersonal und bei der Lehrerschaft. Eine Tabelle erlaubt die einfache Umrechnung zu anderen Regionen; sie zeigt deutlich, dass die Löhne in der Nordwestschweiz in etlichen Branchen höher sind als im Raum Zürich. Die Spanne reicht von 83 bis zu 136 Prozent der Zürcher Löhne. (Lü.)

Wenn der Clown die Zirkusbesucher zum Lachen bringt, wird er auch eine anständige Entschädigung erhalten, weil er sie ja mit dem Direktor persönlich ausgehandelt hat. Für die Zirkusartisten sieht die finanzielle Seite ihres Berufs trister aus, gemäss Lohnbuch verdienen sie
Fr. 9.20 pro Stunde oder 2000 Franken im Monat. «Dazu kommen Kost und Logis, welche das Steueramt auf 990 Franken im Monat oder 11'880 Franken pro Jahr berechnet», erklärt Mülhauser. Die Bedingungen: 50 Stunden und 8 Vorstellungen pro Woche, vier Wochen Ferien, keinen 13. Monatslohn. Damit sind sie im Bereich der Taxifahrer mit 3200 Franken. Die Pferdepflegerin hat rein statistisch leicht abgehoben, von 3000 auf 3219 Franken, weil der Autor die Teuerung seit der ersten Auflage hochgerechnet hat.

Auffallend ist die Tatsache, dass die schlechtesten Löhne oft mit typischen Frauenberufen verbunden sind: Coiffeusen, Floristinnen, Verkäuferinnen sind noch immer am untersten Rand der Tabelle zu finden. Die Grossverteiler Migros, Coop und Lidl bezahlen ihre Frauen an den Kassen praktisch identisch, 3800 gibt es für Un- und Angelernte, 4000 bei dreijähriger Lehre und 4100 Franken monatlich bei vier Jahren Ausbildung. Das Büro für Gleichstellung des Kantons Zürich kam auf bis zu 30 Prozent Differenz, die unerklärlich sind. Anderseits ist es für viele Branchen und Berufe selbstverständlich, Frauen und Männer für gleiche Arbeit identisch zu entlöhnen.

Im Lohnbuch stehen realistische Zahlen, abgestützt auf Gesamtarbeitsverträge und andere Abmachungen. Die Superlöhne der sogenannten Abzocker-Manager sind nicht enthalten, die ihre Unternehmen jährlich um eine zweistellige Millionensumme erleichtern. Die Höchstlöhne im Buch sind im Vergleich dazu Peanuts, bringen aber Durchschnittsverdiener dennoch ins Staunen: Den höchsten Lohn kassiert erneut der Chef des Gaswerks Zürich mit 18 610 Franken, wenig darunter ist der Senior Captain der Swiss (ab 28 Dienstjahren) mit mindestens 17'574 Franken Monatslohn. Ganz oben auf der Liste sind Finanz-Controller, Wirtschaftsprüfer und Chefärzte, aber auch Führungskräfte in den Banken.

Auffallend ist der Anstieg der Löhne mit Alter und Erfahrung, bei den Piloten für die Senior First Officer von 8480 ab dem 5. Dienstjahr auf 13'947 Franken ab dem 28. Dienstjahr. Ein Flugverkehrsleiter startet im ersten Jahr mit 5757 Franken und erreicht ab dem 27. Lizenzjahr 10'762 Franken.

Zum zweiten Mal seit 30 Jahren gab es 2012 eine negative Teuerung von präzis 0,7 Prozent. Die in der Tabelle entsprechend aufgeführten Lohnrückgänge sind ein statistischer Wert. Bei den wenigsten Angestellten wird der Lohn gesunken sein – höchstens die konkrete Auszahlungssumme, wegen höherer Abzüge. Grosse Anstiege gab es nur in Ausnahmefällen, «Nullrunden waren die Regel, da und dort gab es ein Prozent, die Verhandlungen um Gesamtarbeitsverträge verliefen schleppend», betont Philipp Mülhauser.

Der grosse Sprung bei den Reformierten Pfarrern hat mit einem neuen Reglement der Evangelischen Landeskirche Zürich zu tun. Der bisher tiefste Lohn wird mit den neu 9084 Franken verglichen. In der Römisch-Katholischen Landeskirche Zürich beläuft sich der Pfarrer-Mindestlohn auf 8595 Franken. Selbst im Vergleich über die letzten zehn Jahre sind die Lohnanstiege in vielen Branchen nicht berauschend. Es gibt einige Ausreisser mit über 10 Prozent, so der Kraftwerkmeister SBB mit plus 56 Prozent oder die Lokführer der SBB mit plus 36 Prozent.

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