LOUIS PROBST

Im Gegensatz zu den Einwohnerratswahlen 2005 und 2001 hat sich bei den Wahlen vom Wochenende wieder eine Veränderung in der Parteienlandschaft ergeben. Erstmals sind auch die Grünliberalen angetreten. Damit ist die Parteienlandschaft wieder etwas farbiger geworden. Immerhin hatten sich 1993 nicht weniger als neun Parteien und Gruppierungen - und zwar erfolgreich - um Mandate im Einwohnerrat beworben. Unter ihnen befanden sich inzwischen längst der Geschichte angehörende Parteien wie die Brugger Wunschliste, die Freiheits-Partei und der Landesring. Den Grünliberalen, die sich auch an den Brugger Stadtratswahlen beteiligt hatten, ist es auf Anhieb gelungen, zwei Sitze zu ergattern. Damit erreichen sie allerdings noch nicht Fraktionsstärke. «Wir diskutieren noch darüber, ob wir uns einer Fraktion anschliessen wollen», sagt Adrian Kerkhoven, der Co-Präsident der Grünliberalen. «Wir werden aber, im Sinne unserer nachhaltigen Politik, bei der Arbeit im Einwohnerrat jeweils situativ vorgehen.»

Wahlbeteiligung knapp 37 Prozent

Bei einer Wahlbeteilung von 36,75 Prozenten - von den insgesamt 6572 Stimmberechtigen von Brugg und Umiken hatten sich 2416 an der Wahl beteiligt - sind insgesamt 116 439 Parteistimmen abgegeben worden.

Aufgrund des Divisors (2347,156863) hat sich eine Sitzzuteilung von 13 Sitzen für die FDP, 8 Sitzen für die SP, 6 Sitzen für die CVP, 11 Sitzen für die SVP, 6 Sitzen für die Grünen, 4 Sitzen für die EVP und 2 Sitzen für die Grünliberalen ergeben.

Durch die Rundung resultieren übrigens bereits hier sozusagen Gewinner und Verlierer. Je knapp einen halben Sitz «verloren» haben SP und CVP. Zustatten gekommen ist die Rundung anderseits der EVP und den Grünliberalen.

Aus der Relation von Kandidaten- und Parteistimmen könnte man, wenn man denn wollte, Rückschlüsse auf das Wählerverhalten und letztlich vielleicht auf die Kandidatenlisten ziehen. Denn auch die Einwohnerratswahlen dürften letztlich zu einem guten Teil Personenwahlen sein.

Nachdem im Vorfeld der Wahlen lediglich drei Rücktritte angemeldet worden waren, hätte man eigentlich davon ausgehen können, dass sich die personelle Erneuerung des Parlamentes in Grenzen halten würde.

Beachtliche personelle Erneuerung

Vor allem die massiven Sitzgewinne der SVP haben jetzt allerdings doch zu einer beachtlichen Erneuerung geführt. Immerhin ziehen 13 Neugewählte in den Rat ein. Die stärkste Erneuerung zeigt sich bei der FDP. Und zwar durch die Wahl der drei Noch-Umiker-Gemeinderäte Barbara Kipfer, Norbert Suter und Gavin Lanz. Nachdem die FDP allerdings zwei Sitze einbüsste, mussten drei ihrer bisherigen Einwohnerräte gewissermassen über die Klinge springen.

Mit grossem Abstand am meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte Titus Meier (FDP). Er erhielt insgesamt 1458 Stimmen, immerhin 495 mehr als die Zweitplatzierte, Monika Bingisser (ebenfalls FDP). Am wenigsten Stimmen für ihr Mandat «brauchte» Gabriela Kerkhoven (Grünliberale). Sie schaffte mit 396 Stimmen den Einzug in den Einwohnerrat.

Altersmässig reicht das Spektrum des Brugger Einwohnerrates jetzt von 21 bis 63 Jahren. Gewissermassen Doyen des Parlamentes ist Beat Ganz (CVP) mit Jahrgang 1946. «Ratsjunior» dagegen ist Daniel Zulauf (SVP) mit Jahrgang 1988. Daniel Zulauf folgt übrigens - allerdings in einer anderen Partei - seinem Vater Hans Zulauf (FDP) nach, der sich nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt hatte. Apropos familiäre Verbindungen: Mit den Grünliberalen Adrian Kerkhoven und Gabriela Kerkhoven wird künftig wieder ein Ehepaar im Brugger Einwohnerrat vertreten sein.

Den kompletten Artikel mit den Bildern der Einwohnerräte und der Statistiken finden Sie in der AZ vom Dienstag