Seiner Bestimmung übergeben wurde der Erinnerungsort, der von einer niedrigen Mauer eingefasst ist, am Freitag vom Bündner Regierungsrat Jon Domenic Parolini. Die Gedenkstätte liegt oberhalb von Chur.

Der Volkswirtschaftsdirektor hatte sich vor einem Jahr am gleichen Ort im Namen der Kantonsregierung bei den Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen für das erlittene Leid offiziell entschuldigt. Damals war als Zeichen der Erinnerung ein Nussbaum gepflanzt worden.

Geplant und umgesetzt wurde das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Churer Künstler und Architekten Gion Signorell.

Landesweit bis zu 60'000 Fälle

Wie viele Personen im 19. und 20. Jahrhundert im Gebirgskanton Opfer der Zwangsmassnahmen wurden, weil sich nicht den gängigen Normen entsprachen, konnte auch im Rahmen einer wissenschaftlichen Aufarbeitung nicht eruiert werden. Schätzungen gehen von mehreren tausend Fällen aus.

Angewandt wurden Zwangsmassnahmen wie Umplatzierungen von Kindern oder Einweisungen in Anstalten bis ins Jahr 1981. Abgeschlossen ist die Auseinandersetzung mit dem düsteren Kapitel noch nicht. 2020 ist im Rätischen Museum in Chur eine Ausstellung zum Thema Armut und fürsorgerische Zwangsmassnahmen geplant.

Die Aufarbeitung der Zwangsmassnahmen ist seit ein paar Jahren landesweit im Gang, beim Bund wie bei den Kantonen. Schweizweit wird von 50'000 bis 60'000 "administrativ versorgten Personen" ausgegangen.