Urs Moser

Das Präsidium der interparlamentarischen Konferenz der Nordwestschweiz geht an Basel-Stadt über, nächstes Jahr wird Grossrätin Mirjam Ballmer die Politikerkollegen empfangen. Gestern war die Reihe noch einmal am Aargauer SVP-Grossrat Beat Unternährer. Heute wolle man sich im Aarauer Grossratssaal einmal ernsthaften Themen zuwenden, meinte er zur Eröffnung der Tagung selbstironisch.

«Energiekrise - Chance für den Wirtschaftsaufschwung?» lautete das Thema des Tages. Eine Frage, die Sybil Anwander, Leiterin Wirtschaftspolitik/Nachhaltigkeit bei Coop, mit einem klaren Ja beantwortete. Sie schilderte die vielfältigen Anstrengungen des Detailhandelsriesen zur Reduktion des CO2-Ausstosses und bezeichnete die eingegangenen Verpflichtungen als «Win-win-Situation»: Coop werde bis 2023 mit Energieeffizienz-Massnahmen 80 Millionen sparen.

Kurt Schär, Geschäftsführer der Biketec AG, lieferte mit der Erfolgsgeschichte des Elektrofahrrads Flyer ein weiteres Beispiel. Spezielle Flyer-Packages beflügeln heute nicht nur den Geschäftsgang von Biketec, sondern auch Tourismus-Regionen. Und dem Credo der umweltfreundlichen Mobilität verpflichtet wurde am Firmensitz eine Photovoltaik-Anlage installiert, die genug Strom für eine Million Flyer-Kilometer liefert.

In der Kernfrage gespalten

Clevere Geschäftsideen sind das eine, die energiepolitischen Rahmenbedingungen das andere. Der Baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer sieht hier noch viel zu wenig Anreize, um das wirtschaftliche Potenzial, das in der Förderung von erneuerbaren Energien stecken würde, auszuschöpfen. NOK- bzw. neu Axpo-Chef Manfred Thumann spielte in der Runde gewissermassen den Spielverderber, indem er mit konkreten Zahlen die Grösse der sich abzeichnenden Stromlücke, das begrenzte Potenzial von Solar- oder Windenergie und die volkswirtschaftlich erheblichen Auswirkungen von Förderabgaben etc. auf den Strompreis aufzeigte. Das alles führte zum Schluss, den er gar nicht auszusprechen brauchte: Die Förderung von Alternativenergien ist gut und schön, ohne neue Kernkraftwerke gehts aber nicht.

In der von AZ-Redaktor Mathias Küng moderierten Diskussion gab sich Thumann allerdings nicht als dogmatischer Lobbyist der Atomlobby. Was er sich wünsche, das sei, dass man in der energiepolitischen Diskussion von der nach Parteien zugeordneten Festlegung auf eine bestimmte Technologie wegkomme. Auch in der Strombranche scheint es allerdings unterschiedliche Einschätzungen bezüglich Potenzial und Konkurrenzfähigkeit erneuerbarer Energien gegenüber Strom aus Grosskraftwerken zu geben. Die Elektra Baselland verfolge die Vision, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Absatz auf 30 Prozent zu steigern. Was die Politiker mit auf den Weg nahmen: Die Wirtschaft ist nicht a priori gegen staatlichen Aktivismus in Sachen Energieeffizienz. Da man an manchen Standorten eingemietet sei, würde man etwa kantonale Vorschriften und Energiestandards für Sanierungen und Neubauten begrüssen, sagte Coop-Frau Sybil Anwander.