Blauzungenkrankheit

Ein Dutzend Impfverweigerer

Impfzwang: Alles Rindvieh muss gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden. (Raphael Hünerfauth)

Blauzungenkrankheit

Impfzwang: Alles Rindvieh muss gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden. (Raphael Hünerfauth)

Bis Ende Mai müssen auch dieses Jahr alle Wiederkäuer gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden. Im Aargau verweigern sich aber rund ein Dutzend Bauern dieser Massnahme aus Furcht vor Nebenwirkungen.

Alois Felber

Fehlgeburten, Totgeburten, lebensschwache Kälber, Fruchtbarkeitsstörungen, Milchqualitätseinbussen, Euterprobleme: Für all das machen nicht wenige Bauern schweizweit die letztes Jahr erstmals obligatorisch durchgeführte Impfung gegen die Blauzungenkrankheit verantwortlich. Ein Dutzend Aargauer Landwirte werden die Impfung dieses Jahr deshalb gar nicht erst durchführen lassen. Dies, obwohl der kantonale Veterinärdienst für die beklagten Probleme andere Ursachen sieht und die Impfung als Erfolg wertet.

Verweigerern droht Anzeige

Laut Kantonstierärztin Erika Wunderlin haben insgesamt gegen 16 Halter von Rindern, Schafen oder Ziegen im Kanton die Impfung bis jetzt noch nicht durchgeführt, obwohl die Frist dazu Ende Mai abläuft. Darunter seien aber einige Kleinviehhalter, die von den seit Februar mit den Impfungen beschäftigten Tierärzten einfach noch nicht hätten kontaktiert werden können. Wunderlin rechnet deshalb nur mit 12 echten Impfverweigerern. Die meisten davon seien Rindviehhalter. Als geografischen Schwerpunkt der Impfskepsis stellt Wunderlin den Aargauer Südwesten fest.

Laut der Kantonstierärztin müssen die Impfverweigerer dieses Jahr grundsätzlich mit einer Strafanzeige wegen Verstoss gegen die Tierseuchenverordnung rechnen. Dies, nachdem bei den zwei Betrieben, die schon letztes Jahr keine Impfung durchführen wollten, noch von einer Anzeige abgesehen worden war.

Sperrung und Überwachung

Ausserdem werde das betroffene Vieh für den Handel und die Sömmerung gesperrt, erklärt die Kantonstierärztin. Die Betriebe wiederum werden unter amtliche Überwachung gestellt mit entsprechender Kostenfolge für die Bauern.

Vor Verhängung all dieser Massnahmen werde man aber jedem der Verweigerer nochmals eine schriftliche Aufforderung zustellen und nochmals direkt das Gespräch suchen, versichert Wunderlin. Die Kantonstierärztin ist dabei überzeugt, die besseren Argumente auf ihrer Seite zu haben. «Es ist kein Zufall, dass es keine Impfverweigerer im Fricktal gibt», erklärt Wunderlin. Denn dort kenne man die Alternative zur Impfung, nachdem man 2007 noch mehrere Fricktaler Gemeinden zur Schutzzone habe deklarieren müssen, als die Krankheit die Schweizer Grenze erreicht hatte. «Ich bin überzeugt, dass die Impfung grossen Schaden verhindert hat», sagt Wunderlin.

Während die Blauzungenkrankheit in Frankreich grassiert, halten sich die Erkrankungen in der Schweiz tatsächlich in Grenzen. 2008 gab es laut Bundesamt für Veterinärwesen 35 Fälle, einen davon im Aargau. Dieses Jahr ist von 25 Schweizer Fällen noch keiner im Aargau aufgetreten.

«Kein Fall wahrscheinlich»

Bei den 51 dem kantonalen Veterinärdienst 2008 gemeldeten mutmasslichen Impfschäden sei hingegen bei keinem ein Zusammenhang mit der Impfung auch nur wahrscheinlich gewesen, erklärt die Kantonstierärztin. Sie verweist darauf, dass beispielsweise die Fehlgeburtenrate bei Hochleistungskühen so oder so bis zu 10 Prozent betrage.

Dieses Jahr sind laut Wunderlin insgesamt 80 000 Tiere im Aargau geimpft worden. Meldungen über mutmassliche Nebenwirkungen habe es von 49 Rindern und Kühen und 15 Schafen gegeben. Alle diese Fälle werden laut Wunderlin untersucht. Noch zur Beantwortung hängig ist derweil auch eine im Grossen Rat eingereichte Interpellation zur Frage der Impfschäden.

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