Ortsplanung Meisterschwanden
Ein Dorf revidiert die Ortsplanung

Meisterschwanden revidiert seine Ortsplanung grundlegend. Die Einwohner hatten Gelegenheit, sich zu den Zielen und zum umfangreichen Planwerk im Mitwirkungsverfahren zu äussern.

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Neuer Standort Werkhof Meisterschwanden

Neuer Standort Werkhof Meisterschwanden

Lenzburger Bezirks-Anzeiger

Alfred Gassmann

Dass die Nutzungsplanungskommission unter dem Vorsitz von Gemeindeammann Kurt Kaufmann ganze Arbeit geleistet hat, darf füglich behauptet werden. Auf der Gemeindekanzlei Meisterschwanden und der Regionalen Bauverwaltung in Seengen lagen vom 15. März bis zum 16. April der Grundlagenplan, der Kulturlandplan, der Bauzonenplan, der Verkehrsrichtplan, die Bau- und Nutzungsordnung und der Planungsbericht zur Einsicht auf.

Die Mitwirkung wurde genutzt. Gemäss Jenny Rey, Gemeindeschreiber-Stellvertreterin, werden die 37 Eingaben derzeit von Planer Paul Keller gesichtet, bewertet und in einem Bericht zusammengestellt. Ab Mai oder Juni folgt in Aarau die kantonale Vorprüfung und der Gemeinderat sieht vor, die Planungsunterlagen im Herbst öffentlich aufzulegen. In diesem Verfahren haben die Grundeigentümer Gelegenheit, ihre Interessen mit einer Einsprache zu wahren.

Klare Ziele definiert

Die Nutzungsplanungskommission hat vorerst alle Grundlagen zusammengetragen und Ziele formuliert: generelle Ziele, Ziele Siedlung und Verkehr sowie Ziele im Bereich Landschaft, Erholung, Natur und Umwelt. Daraus geht klar hervor, dass Meisterschwanden autonom bleiben und eine eigene Identität ausstrahlen will. Dazu gehören die historischen Industriebauten am Dorfbach. Zudem strebt Meisterschwanden entlang der Hauptstrasse einen attraktiven Dorfkern an und den Bau eines Gemeindehauses.

Das Dorf ist sich der Vorzüge bewusst. Fast müssig, an den niedrigen Steuerfuss, an die attraktiven Wohnlagen und an die reizvolle Seen- und Erholungslandschaft zu erinnern. «Meisterschwanden weist eine angenehme und übersichtliche Grösse auf», lässt sich den Zielvorstellungen entnehmen. Die Stichwörter heissen: massvolle Entwicklung, aber auch Erhaltung und Ansiedlung von Arbeitsplätzen.

Die wichtigsten Naturelemente im Dorf wie Hecken, Bäume und Bäche sollen erhalten werden. Der Gemeinderat denkt an gestalterische Massnahmen entlang der Hauptverkehrsstrassen. Tennwil und das Dorf dürfen keinesfalls zusammenwachsen und müssen optisch getrennt erkennbar bleiben. In Richtung Seengen wird ein sicherer Radweg nicht aus den Augen gelassen. Ebenso will die Behörde die Verbindungen vom Dorf zum See verbessern und den qualitativ guten Tourismus fördern.

Zwei Einzonungen stechen ins Auge

Das Dorf benötigt einen neuen Werkhof mit Sammelstelle. Das Areal der ehemaligen Hüetli-Fabrik erweist sich als ungeeignet. Deshalb soll an der Aescher-strasse eine neue Gewerbezone G geschaffen werden. Die Fläche von 5800 m2 ermöglicht, dass sich zusätzlich ein ortsansässiges Unternehmen ansiedeln kann.

Die zweite markante Einzonung erfordert eine Anpassung des Hallwilerseeschutzdekretes. Nördlich der Delphin-strasse soll nämlich eine Zone für öffentliche Bauten und Anlagen geschaffen werden. Der auf privatem Grund liegende Parkplatz für Erholungssuchende soll verlegt werden können, ferner soll das alle vier Jahre stattfindende Jugendfest auf diesem Areal weiterhin möglich sein.

Alle Einzonungen und Korrekturen von Abgrenzungen addieren sich auf 2,14 Hektaren. Meisterschwanden besitzt über 15 Hektaren unüberbaute Bauzonen. Spürbar sind die Anstrengungen, um ortsprägende Bauten zu schützen: Meisterschwanden verfügt immerhin über ein Ortsbild, das teilweise nationalen Status hat.