Gerhard Pfister

Ein CVP-Nationalrat als einsamer Widmer-Schlumpf-Gegner

Der 52-jährige Germanist und Philosoph sitzt seit Dezember 2003 für die CVP im Nationalrat. Davor war er während fünf Jahren im Zuger Kantonsrat politisch aktiv. Von Beruf ist Pfister Geschäftsleiter. Von 1984 bis 2013 war er zudem als Lehrer tätig.

Gerhard Pfister

Der 52-jährige Germanist und Philosoph sitzt seit Dezember 2003 für die CVP im Nationalrat. Davor war er während fünf Jahren im Zuger Kantonsrat politisch aktiv. Von Beruf ist Pfister Geschäftsleiter. Von 1984 bis 2013 war er zudem als Lehrer tätig.

CVP-Nationalrat Gerhard Pfister kämpft für die Abwahl der BDP-Bundesrätin und eckt damit in seiner Partei an.

Eveline Widmer-Schlumpf muss weg. Diese Botschaft verbreitet der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister bei jeder Gelegenheit, seitdem die Unionsgespräche zwischen CVP und BDP Ende Oktober gescheitert sind. So sehr er sich bis zum Übungsabbruch in einer Arbeitsgruppe für den Zusammenschluss und den Verbleib der BDP-Bundesrätin in der Landesregierung einsetzte, so sehr kämpft er nun gegen ihre Wiederwahl. Zum Beispiel mit Sätzen wie diesem zwei Wochen nach dem Scheitern der Verhandlungen: «Ich habe diese Bundesrätin nie gewählt und habe nicht vor, es künftig auch nur in Betracht zu ziehen.»

Auch als die SVP nach der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses im Januar eine bürgerliche Allianz mit Mitterechts-Mehrheit im Bundesrat (ohne Widmer-Schlumpf) forderte, sicherte ihr Pfister umgehend seine Unterstützung zu. Neue Freunde in seiner Fraktion machte er sich damit keine.

Gespräche mit zahlreichen CVP-Parlamentariern zeigen: Es ist nicht Widmer-Schlumpf, die in der CVP aneckt, es ist Pfister mit seiner Widmer-Schlumpf-Kritik. Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL) bringt auf den Punkt, was viele Christlich-Demokraten denken: Sie sagt, auch sie bedaure, dass die Union mit der BDP nicht zustande gekommen sei. Trotzdem mache die Finanzministerin einen guten Job: «Bundesräte, die solide Arbeit leisten, haben es verdient, wiedergewählt zu werden.» Ihr bereite es viel mehr Mühe, wenn Parlamentarier Stimmung für die Abwahl von Exekutivpolitikern machten. «Das ist eine schlechte Entwicklung und entspricht nicht dem Verständnis von Konkordanzpolitik in unserem Land.»

Ähnlich äussert sich Nationalrat Jakob Büchler (SG). Was Pfister mache, sei «Auge um Auge, Zahn um Zahn» und kaum ein sinnvolles Verhalten gegenüber der BDP. Widmer-Schlumpf sei anzurechnen, dass sie die Bundesfinanzen in Ordnung halte. «Das ist keine einfache Aufgabe.»

Treibende Kraft hinter der Union

Woher kommt also die Schärfe in Pfisters Kritik an der Bundesrätin? Dass er kein Linker ist, ist bekannt: Politgeograf Michael Hermann platziert ihn in seinem Parlamentarierranking Jahr für Jahr am rechten Rand der CVP. Doch das alleine taugt noch nicht als Erklärung. Nationalrat Alois Gmür (SZ) sagt, Pfister sei CVP-intern «der Treiber» gewesen hinter den Unionsplänen und «sehr enttäuscht» nach dem Aus: «In der Fraktion sagte er nach dem Abbruch, mit der BDP könne man nicht zusammenarbeiten. Nun äussert er sich auch in der Öffentlichkeit entsprechend.»

Die Enttäuschung lässt Pfister gegenüber der «Nordwestschweiz» denn auch durchblicken: «Wenn CVP und BDP eine Union eingegangen wären, hätte eine Wiederwahl Sinn gemacht. Doch die BDP wollte die Union explizit nicht. Ich interpretiere das so, dass sie nicht mehr im Bundesrat sein wollen.»

Nationale Wahlen entscheiden

Was keiner der angefragten CVP-Politiker bestreitet: Wenn die BDP bei den nationalen Wahlen im Herbst ähnlich stark verliert wie ihre Baselbieter Kantonalpartei Anfang Februar, werden die Karten neu gemischt.

Nationalrätin Ruth Humbel (AG) sagt, sie persönlich habe noch nie ein Mitglied der Landesregierung abgewählt. Im Fall von grossen Verlusten habe die BDP aber «keinen Anspruch mehr auf einen Sitz im Bundesrat». Humbel gehört zu den wenigen Stimmen in der CVP neben Pfister, die Widmer-Schlumpf überhaupt kritisieren: «Ich bin nicht sicher, ob sie bei den Finanzen und den Banken eine gute Politik macht für die Schweiz.»

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