Zürich
Ein blutiges Kräftemessen

Die Situation scheint verfahren. Der Schweizerische Blutspendedienst hat die Zusammenarbeit mit Blutspende Zürich gekündigt. Verhandlungen sind gescheitert. Noch beharren beide Seiten auf ihren Standpunkten.

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Blut

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Limmattaler Zeitung

Martin Reichlin

Das Positive vorweg: Den «Worst Case», also den Aufbau einer zweiten, parallel zur Stiftung Zürcher Blutspendedienst SRK arbeitende Organisation, wollen weder der nationale Dachverband, der Schweizerische Blutspendedienst SRK (BSD SRK) noch die hiesige Blutsammelorganisation eintreten lassen. Schliesslich ist Blutspende Zürich ein professionelles pharmazeutisches Unternehmen mit rund 200 Angestellten und einem modernen transfusionsmedizinischen Zentrum in Schlieren.

Damit sind die Übereinstimmungen zwischen den gemeinnützigen Organisationen aber offenbar erschöpft. Denn am 2. Dezember hatte der eidgenössische dem zürcherischen Blut-spendedienst wegen «schwerer Differenzen» den Kooperationsvertrag aufgekündigt. Erstens hätten die Zürcher seit 2007 Beiträge an die Dachorganisation nicht mehr in vollem Umfang entrichtet, zweitens verlange Blutspende Zürich «eine massive Ausdehnung seines Einzugsgebietes zulasten anderer Regionalblutspendedienste». Nachdem Vergleichsverhandlungen unter der Leitung des Luzerner Regierungsrats Markus Dürr gescheitert seien, werde die Zusammenarbeit per Ende 2010 beendet. Ab dann dürfen die Zürcher nicht mehr unter der Flagge des Roten Kreuzes Blut sammeln.

Info

Seit 1994 obliegt die nationale Organisation der Blutspenden dem Blutspendedienst SRK, einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft innerhalb des Schweizerischen Roten Kreuzes. Die Aktienmehrheit ist im Besitz des SRK, die restlichen Aktien besitzen die 13 regionalen Blutspendedienste. (MRE)

Gestern nun informierte Blutspende Zürich über ihre Sicht der Dinge im «Blut-Streit». Demnach halte man tatsächlich seit zwei Jahren Zahlungen an die BSD SRK zurück, so Stiftungsratspräsident Heinrich Hofacker. Grund sei, dass der Dachverband die Abgabe, die von den Regionalpartnern pro verkaufte Blutkonserve verlangt werde, im Jahr 2005 von Fr. 4.20 auf Fr. 14.40 angehoben habe. Diese Erhöhung hätte von der Generalversammlung der 13 regionalen Blutspendedienste abgesegnet werden müssen. Hofacker: «Ein solcher GV-Beschluss liegt nicht vor.» Hinzu komme, dass die Zentrale nicht klar begründet habe, wofür die zusätzlichen Mittel bestimmt seien. Mal sei von einer «nationalen Blutreserve» die Rede gewesen, mal von der «Äufnung von Finanzreserven zur Risikoabdeckung von Geschäftsverpflichtungen». Das einbehaltene Geld, mittlerweile gut eine Million Franken, liege auf einem Sperrkonto und stehe nach einer Lösung des Konflikts zur Verfügung.

Den Anspruch auf ein Vergrösserung des Territoriums, in dem die Zürcher zu Blutspenden aufrufen dürften, erklärte Direktor Beat M. Frey so: «Wir können mit dem derzeitigen Sammelgebiet durchschnittlich nur 97 Prozent des Bedarfs an Blut in der Region Zürich abdecken. Um saisonale Schwankungen vor allem im Winter und während den Sommerferien ausgleichen zu können, wäre es aber nötig, dass das Entnahmepotenzial 10 Prozent über der ausgewiesenen Nachfrage liegt.» Trotz allem, so die Zürcher Blutspende-Chefs, sei man an einer gütlichen Lösung des Streits interessiert und fordere den BSD SRK zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Ein Angebot, das beim Dachverband in Bern gerne gehört wird. Allerdings, so Direktor Rudolf Schwabe, müsse Zürich erst die Ergebnisse der Vergleichsverhandlungen akzeptieren. Das heisse: «Das ausstehende Geld muss überwiesen werden. Und im Frühling kann die GV nachträglich über die Erhöhung der Abgaben sowie die Überprüfung der Gebietszuteilungen beraten.»