Terror-Gefahr

«Ein Angriff auf den Genfer UNO-Sitz wäre besonders symbolträchtig»

Kurt R. Spillmann: «Ein Angriff auf den Genfer UNO-Sitz wäre besonders symbolträchtig.»

Kurt R. Spillmann: «Ein Angriff auf den Genfer UNO-Sitz wäre besonders symbolträchtig.»

Schweizer Experten für Sicherheitsfragen und Terrorismusbekämpfung halten die aktuelle Bedrohung durch Terroristen in dieser Schwere für noch nie dagewesen. Es sei nicht auszuschliessen, dass Komplizen der Paris-Attentäter in der Schweiz untergetaucht seien.

Es würde ihn nicht überraschen, wenn sich Terroristen in der Schweiz aufhielten, die einen Bezug zu den Attentaten von Paris hätten, sagte Kurt Spillmann, emeritierter Professor für Sicherheitspolitik und Konfliktforschung an der ETH Zürich, am Freitag in einem Interview in "20 Minuten".

Dies sei schon aus geografischen Gründen naheliegend. Von Frankreich aus gelange man schnell über die Grenze nach Genf, und man müsse nicht einmal die Sprache wechseln. "Wer aus Frankreich kommt, bewegt sich auch in der Romandie wie ein Fisch im Wasser."

Terroralarm in Genf: Aktuelle Aufnahmen vom Grenzübergang Bardonnex

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Nach den Anschlägen von Paris sei es für die islamistische Szene in Frankreich sehr ungemütlich geworden. Er könne sich deshalb gut vorstellen, dass manche erst einmal in der Schweiz untergetaucht seien, um sich dem Zugriff der französischen Sicherheitskräfte zu entziehen. Es sei auch nicht auszuschliessen, dass Komplizen der Paris-Attentäter in der Schweiz sässen, ohne dass wir davon wüssten.

Auch als Ziel attraktiv

In Paris hätten Terroristen Attentate planen können, ohne dass die Behörden davon etwas mitbekommen hätten, hielt Spillmann weiter fest. Dies habe niemand für möglich gehalten. Und der französische Nachrichtendienst sei personell deutlich besser aufgestellt als jener in der Schweiz.

Verstärkte Sicherheitsmassnahmen bei der UNO

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Doch Genf sei nicht nur als Rückzugsort attraktiv, sondern auch als Ziel für Attentate. Terroristen gehe es um die grösstmögliche Wirkung und um maximale Medienaufmerksamkeit. Diese wäre ihnen in Genf gewiss, denn Genf sei eine Stadt mit einer grossen internationalen Ausstrahlung. Als Sitz der Vereinten Nationen und vieler anderer internationaler Organisationen, als bedeutender Bankenplatz und als Standort eines internationalen Flughafens.

Kein Land der Glückseligen mehr

Er wolle keine Rangliste der am meisten gefährdeten Orte der Schweiz aufstellen, doch Genf sei sicher einer der Orte der Schweiz, die am ehesten ins Visier von Attentätern geraten können, sagte Spillmann. "Ein Angriff auf den Genfer UNO-Sitz wäre besonders symbolträchtig."

Dass die Schweiz nicht zur Anti-IS-Militärkoalition gehöre, schütze sie wohl zu einem gewissen Grad. Doch habe man sich in der Schweiz zu lange in falscher Sicherheit gewiegt und das Land für eine Insel der Glückseligkeit gehalten. Auch die Schweiz gehöre zum bei den IS-Anhängern verhassten Westen und damit zu ihrem Feindbild.

Der Westschweizer Terrorismus-Experte Jean-Paul Rouiller sagte am Freitag in einem Interview der "Tribune de Genève", seines Wissens und nach zwanzig Jahren Erfahrung in Nachrichtendienst und Terrorbekämpfung erlebe die Schweiz zum ersten Mal eine solch schwere Bedrohung.

Innerhalb der Schweiz sei insbesondere Genf bedroht. Diese Bedrohung stehe im Zusammenhang mit der Gruppe Islamischer Staat (IS). Hingegen sei es nicht möglich, die Natur und die Umrisse dieser Bedrohung genauer zu charakterisieren.

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