Maja Sommerhalder

«Stimmt, heute ist ja Feiertag», sagt Hanspeter Meier (51) aus Full und lacht: «So etwas gibt es bei uns nicht. Wir müssen uns nach der Natur richten.» Es ist Pfingstsonntag kurz vor Mittag und der Biobauer jätet mit einem kleinen Traktor sein Rüeblifeld. Volle Konzentration ist angesagt.

«Ich will ja mit meiner Maschine nicht das Gemüse beschädigen», sagt Meier, steigt ab und reist das Kraut von Hand aus: «Man kann eben nicht alles mit dem Traktor erledigen.» Der Tag wäre eigentlich ideal, um dem Unkraut den Garaus zu machen. «Aber eben», sagt er seufzend: «Heute werde ich nicht viel Zeit dafür haben.» Das Silo muss noch vorbereitet werden, damit das angetrocknete Gras untergebracht werden kann: «Es gibt so viel zu tun.»

Nicht alle haben Verständnis

So wie Hanspeter Meier geht es wohl den meisten Bauern an diesem sommerlichen Pfingstwochenende. Denn nach wochenlangem Hudelwetter kann endlich das Gras für das Dürrfutter auf den Feldern gemäht und der Mais gesät werden. Arbeiten, die gewöhnlich schon früher verrichtet werden. «Wegen des Regens sind wir etwas hintendrein. Aber mit diesem Problem sind wir nicht alleine», sagt Meier.

Gewisse Leute stört dies aber gewaltig. Immer wieder gibt es Lärmklagen, wenn am Wochenende oder bis in die späte Nacht die landwirtschaftlichen Maschinen rattern. «Wenn es geht, versuchen wir ja solche Arbeiten zu vermeiden. Heute aber ist das unmöglich. Es wird ja bereits wieder schlecht im Laufe der Woche», meint Biobauer Meier.

Futterqualität ist schlechter

Auch Res Hitz (54) und seine Familie aus Untersiggenthal kommen nicht um das Krampfen am Wochenende herum. «Ich mache das gerne», sagt der Milchproduzent strahlend und wirbelt mit dem Traktor das bereits abgeschnittene Gras auf seinem Feld durcheinander: «Das kommt später in unser Silo. Damit die Tiere auch im Winter Futter haben.»

Die Qualität des Dürrefutters werde wohl wegen der Verspätung dieses Jahr etwas weniger gut sein als sonst: «Je jünger das Gras, desto mehr Eiweiss enthält es.» Dieses Eiweiss sei wichtig für die Fleisch- und Milchproduktion. Doch Hitz hatte dieses Jahr auch Glück. Denn einen Teil des Grases hatte er bereits Ende April gemäht. In weiser Voraussicht sozusagen.

Arbeit bis Mitternacht, wenig Schlaf

Weniger Glück hat Rolf Haller (50) aus Birrhard. Ein Stein auf dem Feld hat ihn zu einer Zwangspause verdonnert: «Der Stein hat die Messer der Häckselmaschine beschädigt. Jetzt müssen wir sie schleifen.» Der Lohnunternehmer und seine zehn Mitarbeiter sind mit ihren vielen Maschinen für andere Landwirte im Einsatz: «An diesem Wochenende helfe ich zehn Betrieben beim Silieren.»

Das bedeutet wenig Schlaf: «Wir werden wohl bis Mitternacht arbeiten müssen. Und um sechs Uhr gilt wieder Tagwacht», sagt er und betont: «Dass wir an Pfingsten ran müssen, ist schon speziell. Glauben Sie mir, auch ich hätte lieber frei.»

Bis jetzt keine Reklamationen

Inzwischen ist die Häckselmaschine wieder fahrtüchtig. Mit viel Getöse wird das angetrocknete Gras verkleinert und auf einen Anhänger gefüllt. Mittels Handy gibt Haller seinen Mitarbeitern Anweisungen: «Ich wüsste nicht, was ich ohne das Ding machen würde», sagt er lachend.

Dann steuert er den Traktor aus dem Feld und rattert damit über die Strassen. Etwa drei Kilometer später presst eine weitere Maschine seine Ladung zu dicken weissen Silowürsten. Hat er nie Reklamationen, wenn er am Wochenende so viel Lärm verursacht? «Eigentlich nicht. Gerade jetzt haben die Leute ja gesehen, dass das Wetter wochenlang schlecht war.»

Für gewissen Unmut in der Bevölkerung hat er aber durchaus Verständnis: «Etwa, wenn am Wochenende lärmige Arbeiten verrichtet werden, obwohl das Wetter vorher schön war.»