Fränzi Zulauf

«Je besser wir die eigenen wie auch andere religiöse Wurzeln kennen, desto konstruktiver können wir das Zusammenleben gestalten», erklärt Elisabeth Känzig, Kirchenrätin der Reformierten Landeskirche Aargau.

«Die Fragen von Religion und Ethik sind im Berufsschulbereich sehr aktuell; gerade wenn von Menschenrechten oder multikulturellem Umfeld im Allgemeinbildenden Unterricht die Rede ist. Die Aargauer Landeskirchen wollen sich deshalb im Berufsschulbereich stärker engagieren.»

Sie tun dies mit der Lancierung des interreligiösen Unterrichtspakets «und jetzt?», das von Projektleiter Urs Urech, Windisch, entwickelt wurde.

Konkret und lebensnah

«Die 15 Unterrichtsbausteine enthalten eine Vielfalt von Methoden und sind auf einen lebendigen, diskursbetonten Unterricht ausgerichtet», sagt Urs Urech. Genau dies schätzt Berufschullehrer Balz Bruch besonders: «Die unbedingte Stärke des Lehrmittels liegt in der Modulartigkeit. Je nach Klasse, Aktualität oder gar Konflikt kann man ein Thema aufgreifen, sich damit konkret und lebensnah auseinandersetzen und die Lernenden zu eigenen Reflexionen anregen.»

Begeistert ist auch Marcel Notter, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau: «Berufsschulklassen bieten ein geschütztes Lernfeld, um den Umgang mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen zu lernen und um Vorurteile und Rassismus abzubauen.»

Das neue Unterrichtsmaterial wurde im letzten Schuljahr in drei Berufsschulklassen in Aarau (Elektromonteure, Coiffeure, Logistiker) getestet. «Diese Pilotphase war sehr wertvoll», sagt Projektverfasser Urs Urech. «Mit den Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem Unterricht konnte das Lehrmittel entsprechend angepasst und weiterentwickelt werden.»

Seit August arbeiten nun einzelne Lehrerinnen und Lehrer der Gewerblich-Industriellen Berufsschulen in Aarau, Baden, Brugg, Wohlen, Rheinfelden und Zofingen sowie der Aargauer Berufsschulen für Landwirtschaft, Gartenbau, Soziales, Detailhandel und Kunst mit dem neuen Unterrichtsmaterial.

Gutes Echo bei den Schülern

«Wir wachsen mit Vorurteilen auf, gerade was Religionen und Kulturen betrifft», sagt Alban Kryeziu. «Daheim hören wir das eine, in der Schule oder am Arbeitsplatz etwas ganz anderes. Und oftmals ist jemand das Opfer.» Der 19-jährige Elektromonteur-Lehrling weiss, wovon er spricht. Er stammt aus dem Kosovo und ist der einzige Muslim in seiner Berufsschulklasse in Aarau. «Wenn man alle Vorurteile wegwischt, sieht die Welt ganz anders aus.»

Der junge Mann findet es gut, dass sich die Klasse bei Berufschullehrer Balz Burch sehr konkret mit interreligiösen Fragen auseinandersetzt. Der 20-jährige Simon Leutwyler, ebenfalls angehender Elektromonteur, schätzt die Arbeit mit dem neuen Lehrmittel nicht nur als wertvoll, sondern auch sehr abwechslungsreich ein.

«Mir haben unter anderem die Rollenspiele gefallen und wir haben über interessante Themen gesprochen. Dabei habe ich sehr viel erfahren über andere Kulturen und Religionen.»