Mit dem Inserat seien die Kosovaren als Ethnie so dargestellt worden, dass sie im Vergleich zu anderen Ausländern gewalttätiger seien und deshalb kein Recht auf Aufenthalt in der Schweiz hätten. So habe der Durchschnittsleser das Inserat verstanden, nimmt die Mehrheit der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes an.

Das Inserat habe damit Stimmung gegen diese ethnische Gruppe gemacht. Das Inserat sei als Gesamtes zu betrachten. Deshalb greife der Einwand der Beschwerdeführer nicht, dass mit dem Inserat ein Einzelfall aufgegriffen worden sei, der sich tatsächlich ereignet hat. Der Entscheid verlief entlang der Parteigrenzen - die zwei SVP-Richter unterlagen gegen die drei weiteren Richter.

Baltisser zieht Urteil nicht nach Strassburg

Nach dem Schuldspruch hat sich Martin Baltisser "enttäuscht" gezeigt über das Urteil des Bundesgerichts. Dieses schränke die Meinungsäusserungsfreiheit ein, sagte der frühere SVP-Generalsekretär der SVP der Nachrichtenagentur sda. Nach Strassburg an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiterziehen will er den Fall jedoch nicht.

Er glaube nicht, dass dadurch künftige SVP-Kampagnen beeinflusst würden, da es sich um einen Einzelfall handle und der Slogan "Kosovaren schlitzen Schweizer auf" in der deutschen Sprache zweideutig interpretiert werden könne: Als "zwei oder mehrere Kosovaren" oder als "alle Kosovaren".

Die SVP werde deshalb auch in Zukunft Klartext reden, sagte Baltisser. Die Partei werde sich von diesem Urteil nicht das Maul stopfen lassen.

Die Vorgeschichte

Im März 2016 hatte das Obergericht Bern Baltisser und Bär wegen der Veröffentlichung des Inserats im Rahmen der Kampagne für die Masseneinwanderungsinitiative 2011 wegen Rassendiskriminierung für schuldig befunden. Sie wurden gemäss Absatz 1 (Aufruf zu Hass oder Diskriminierung) zu bedingten Geldstrafen von 45 Tagessätzen zu je 300 beziehungsweise 220 Franken verurteilt.

Das Obergericht hielt fest, dass mit dem Inserat eine Pauschalisierung vorgenommen werde. Es könne nicht anders verstanden werden, als dass alle Kosovaren Schlitzer seien. Eine ganze Ethnie werde herabgesetzt, und die Behauptung verstosse gegen die Menschenwürde. Das SVP-Kader könne sich deshalb nicht auf die Meinungsäusserungsfreiheit berufen.

SVP-Baltisser: "Schwerer Schlag gegen Meinungsäusserungsfreiheit"

Baltisser und Bär wurden 2015 vom Regionalgericht Bern-Mittelland wegen Rassendiskriminierung verurteilt. Baltisser gab sich nach dem Prozess kämpferisch: "Wir lassen uns nicht einschüchtern!"

Die Verteidiger der beiden SVP-Kader machten vor Gericht geltend, dass mit dem Plakat ein konkreter Fall geschildert werde - nämlich einen Angriff auf einen Schweizer Schwinger in Interlaken.

Vor Bundesgericht wollten Baltisser und Bär einen Freispruch erwirken. Damit sind sie gescheitert.

Vermurkster Start

Die Staatsanwaltschaft Bern tat sich schwer mit der Untersuchung im Zusammenhang mit dem Inserat. Es stellte das Verfahren zwei Mal ein. Das Obergericht hob die entsprechenden Entscheide jedoch auf und wies die Sache zur weiteren Untersuchung zurück.

Zwei Kosovaren hatten als Privatkläger gegen die Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft geklagt. Erst im Dezember erhob diese schliesslich Anklage gegen Baltisser und Bär.

Die Berner Strafverfolgungsbehörden waren bereits vom Bundesstrafgericht dazu gezwungen worden, die Untersuchung zu führen. Zuvor hatten sich die Berner und Zürcher Justiz gegenseitig die Zuständigkeit zugeschoben.

Vorsicht bei Verlagshäusern

Das Inserat wurde am 19. August 2011 auf den Webseiten der SVP aufgeschaltet. Das Inserat erschien zudem in der "Neuen Zürcher Zeitung" und im "St. Galler Tagblatt" vom 25. August des gleichen Jahres. Diverse Verlagshäuser lehnten die Publikation des Inserats ab, weil sie es als rassistisch qualifizierten.

Die Verantwortlichen für das Inserat akzeptierten eine Änderung der Schlagzeile in "Kosovare schlitzt Schweizer auf". In dieser Form wurde das Inserat nicht beanstandet.

Auch bei der französischen ("Des Kosovars poignardent un Suisse!") und italienischen Version der Schlagzeile ("Dei Kosovari pugnalano uno Svizzero!") kam es zu keinem juristischen Nachspiel.

Die Gewalttat, die das Motiv für das Inserat bildete, hatte eine Verurteilung zur Folge. Der aus dem Kosovo stammende Mann, der im August 2011 einen Schweizer mit einem Messer gefährlich verletzte, wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.