Fall Rehetobel
Ehemaliger Arxhof-Direktor über den Schützen: «Wir haben eine tickende Zeitbombe entlassen»

Nach der Schiesserei im appenzellischen Rehetobel mit einem schwerverletzten Polizisten und dem Tod des Schützen äussert sich nun der ehemalige Direktor des Massnahmezentrums, in dem Roger S. (†33) zuvor therapiert wurde. Er bezeichnet seinen ehemaligen Insassen als «tickende Zeitbombe».

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Er sei ein «Meister der Täuschung» gewesen. So charakterisiert Renato Rossi, der ehemalige Direktor des Massnahmezentrums Arxhof im baselländischen Niederdorf, den Schützen von Rehetobel, Roger S. (†33).

Rossi kannte den jungen Mann, der am Dienstag auf zwei Polizisten schoss und sich anschliessend selbst richtete gut. Jahrelang hat er mit ihm zusammengearbeitet. Dies, weil der Rehetobel-Schütze bereits im Zuge eines Eifersuchtsdramas 2003 gewalttätig wurde, mit einer Schrotflinte auf zwei Menschen schoss und diese teils lebensgefährlich verletzt hatte. Für diese Bluttat musste Roger S. im Massnahmezentrum Arxhof eine fünfjährige Haftstrafe absitzen.

Bilder vom Polizeieinsatz im appenzellischen Rehetobel:

Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
8 Bilder
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich
Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich

Mann schiesst in Rehetobel zwei Polizisten an und verschanzt sich

Keystone

«Dauernd Krieg im Kopf»

Im Gespräch mit dem Fernsehsender Tele Züri findet Rossi deutliche Worte für seinen ehemaligen Insassen. «Er konnte sehr aggressiv werden», erklärt der ehemalige Direktor und fügt an: «Dies war beispielsweise der Fall, als wir seine Massnahme verlängert hatten.»

Dass Roger S. bei der Polizeikontrolle vom Dienstag zur Waffe griff, erstaunt Renato Rossi nicht. Sein ehemaliger Insasse habe schon früher Gewaltfantasien gehabt. «Er hatte dauernd Krieg im Kopf. Er hat immer wieder von Waffen gesprochen und behandelte sie fast so, als wären sie seine Geliebte.» Selbst den Geschmack von Schwarzpulver habe er stets im Mund gehabt, so Rossi weiter.

Nicht guten Gewissens aus der Haft entlassen

Nach fünf Jahren Haft im Arxhof musste Renato Rossi seinen Insassen unter Auflagen gehen lassen – dies allerdings nicht mit gutem Gewissen, wie der ehemalige Direktor erklärt: «Es hat eine Risikoanalyse gegeben und wir haben gewusst, dass wir eine tickende Zeitbombe entlassen.»

Eine der Auflagen von Roger S. war, dass er keine Waffen mehr besitzen dürfe. Wie er zur Waffe kam, mit der er am Dienstag auf zwei Polizisten schoss, wird derzeit polizeilich untersucht. (luk)

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