Economiesuisse
Economiesuisse: Geht es mit Heinz Karrer zurück auf die Siegerstrasse?

Schlechte Kampagne, Eigentore, fehlende Sensibilität - Auf die Economiesuisse prasselte nach dem Debakel bei der Abzockerinitiative heftige Kritik nieder. Nun ist der Wirtschaftsdachverband wieder erstarkt.

Manuel Bühlmann
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Auf den Triumph mit St. Otmar St. Gallen soll der Erfolg mit Economiesuisse folgen: Heinz Karrer mit dem Handball-Meisterpokal von 1986. KeY

Auf den Triumph mit St. Otmar St. Gallen soll der Erfolg mit Economiesuisse folgen: Heinz Karrer mit dem Handball-Meisterpokal von 1986. KeY

KEYSTONE

Von allen Seiten prasselte die Kritik auf die Economiesuisse nieder: Von einer schlechten Kampagne, Eigentoren und fehlender Sensibilität war die Rede. Sogar bürgerliche Politiker liessen kaum ein gutes Haar am Wirtschaftsdachverband.

Und auch sonst sorgte die Kampagne gegen die Abzockerinitiative für Negativschlagzeilen: So wurde etwa bekannt, dass die angeheuerte Werbeagentur Studenten für das Verfassen von Online-Kommentaren gegen Minders Initiative bezahlte.

Die Quittung folgte im März an der Urne: Mit 68 Prozent Ja-Stimmen fiel das Resultat überraschend deutlich aus – und kostete der Führung um Präsident Rudolf Wehrli letztlich den Kopf. Als neuen Hoffnungsträger und Präsidenten präsentierte die Economiesuisse im Spätsommer Axpo-CEO Heinz Karrer.

Streit beigelegt: Uhrenverband bleibt

Der Uhrenverband macht seine Kündigungs-Drohung nicht wahr und bleibt auch in Zukunft Mitglied von Economiesuisse. Damit ist der Streit zwischen dem Verband und dem Wirtschaftsdachverband vorerst beigelegt. Auslöser für den Konflikt waren unterschiedliche Ansichten über den nötigen Mindestanteil für das Label «Swiss Made». Economiesuisse vertrat die Ansicht, dass bei industriellen Produkten ein Wertanteil von mindestens 50 Prozent aus der Schweiz stammen soll, damit das Produkt das Label tragen kann. Dem Uhrenverband war dies zu wenig; er verlangte einen Mindestanteil von 60 Prozent. Die im Februar eingereichte Kündigung habe man nun aber wieder zurückgezogen, teilte der Verband am Montag mit.
«Der Entscheid des Uhrenverbands ist sehr erfreulich», sagt Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. Seit seiner Wahl im Spätsommer sei es zu intensiven Gesprächen gekommen. Auch Jean-Daniel Pasche, Präsident des Uhrenverbands, spricht von positiv verlaufenen Diskussionen, die den Entscheid des Vorstands beeinflusst hätten. Mit dem Erfolg bei der Abstimmung über die 1:12-Initiative habe der Beschluss aber nichts zu tun. (SDA/Mbü)

Zwei Tage, zwei Erfolge

Ein Personalentscheid, der bereits nach wenigen Monaten Früchte zu tragen scheint. Unter der neuen Führung findet der arg angeschlagene Verband allmählich wieder auf die Erfolgsspur zurück.

Obwohl es der Gewerbeverband war, der an vorderster Front gegen die 1:12-Initiative kämpfte, setzte sich auch die Economiesuisse gegen das Juso-Anliegen ein und findet sich nach dem deutlichen Nein vom Wochenende auf der Gewinnerseite wieder.

Dazu kommt: Am Tag nach der Abstimmung gab der Uhrenverband bekannt, trotz langem Streit Mitglied von Economiesuisse bleiben zu wollen (siehe Box).

Der Prüfstein steht noch aus

Bürgerliche Parlamentarier, die den Wirtschaftsverband für seine Kampagne gegen die Abzocker-Initiative kritisiert hatten, sehen diesen im Aufwind. «Economiesuisse ist auf gutem Weg, wieder zur alten Stärke zurückzufinden», sagt Ständerat Joachim Eder (FDP/ZG).

Die Lehren aus der Niederlage seien wie generell in der Wirtschaft auch im Verband gezogen worden. «Einen durchwegs positiven Einfluss» komme dabei dem neuen Präsidenten Karrer zu, sagt Eder.

Auch der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof bezeichnet den ehemaligen Handballspieler als «eine gute Wahl». Er attestiert ihm, neben guten Kenntnissen der Wirtschaft auch ein Gespür für Menschen zu haben.

Das dürfte ihm bei den kommenden Aufgaben helfen: «Die Economiesuisse steckte in einer tiefen Krise, nun geht es darum, das Vertrauen der Bevölkerung zurück-zugewinnen», sagt Bischof. Ob das gelinge, werde die Masseneinwanderungs-Initiative zeigen. «Das wird der erste richtige Prüfstein.»

Offensive gegen die SVP-Initiative

Pünktlich zum Beginn der Kampagne gegen die SVP-Masseneinwanderungsinitiative ist Economiesuisse wieder erstarkt – und wagt sich sogleich in die Offensive: Im Auftrag des Wirtschaftsverbands präsentierte vergangene Woche die Genfer Professorin Christine Kaddous ein Rechtsgutachten, das vor den Folgen der SVP-Initiative warnt.

Damit holt der Verband zum ersten grossen Schlag gegen die Vorlage aus, die am 9. Februar zur Abstimmung kommt.

Im Unterschied zur 1:12-Initiative liege der Lead der Kampagne bei allen drei grossen Wirtschaftsverbänden, sagt Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. Entscheidend sei, dass gerade bei wichtigen Themen wie der Personenfreizügigkeit alle Verbände geeint auftreten würden.