Schweiz

«‹Du musst nicht wiederkommen›, hiess es» – trotz Karriere Fünfsternhotel wurde Stéphane Lhuissier während des Lockdowns entlassen

Hat am Telefon von seiner Kündigung erfahren: Stéphane Lhuissier.

Hat am Telefon von seiner Kündigung erfahren: Stéphane Lhuissier.

Sich um VIP-Kunden von Grossbanken kümmern, eine Karriere in Paris – so liess sich das Leben von Stéphane Lhuissier beschreiben. Bis Corona kam und er krank wurde.

Stéphane Lhuissier, Chef de Rang, 49

Ich habe ein Jahr als Chef de Rang gearbeitet, in einem Fünfsternehotel in Zürich, mitten in der Stadt. Ich habe mich um die VIP-Kunden einer Grossbank gekümmert. Ich liebe meine Arbeit, ich weiss, was die Gastronomie braucht und habe viel Erfahrung. Ich bin seit 28 Jahren in meinem Beruf, habe ein Diplom der Hotellerie Française, spreche vier Sprachen. Ich sage das alles, weil ich zeigen will, dass diese Arbeit mir wichtig ist. Das ist nicht einfach ein Sommerjob für mich, das ist ein Teil meines Lebens.

Ich wurde im März plötzlich krank, ich war sehr müde. Ich wäre am Anfang nie auf die Idee gekommen, dass es Corona sein könnte, ich blieb einfach zu Hause und wollte mich auskurieren. Ich war täglich mit meinem Chef in Kontakt. Sie sagten mir, ich solle das abklären lassen, den Arzt anrufen. Das habe ich dann getan, während des Shutdowns. Der Arzt stufte alles als unproblematisch ein. Und mein Chef erkundigte sich regelmässig und fragte nach mir und meiner Gesundheit, ich schickte die Arztzeugnisse als Bestätigung. Es schien alles ganz normal.

Ich hätte am 1. April wieder anfangen sollen, doch plötzlich sagte mein Chef am Telefon: Du musst nicht wiederkommen. Per Einschreiben wurde mir die Kündigung nach Hause geschickt. Sie zahlten mir noch zwei Monate mein Gehalt. Letzte Woche hatte ich nun mein erstes Treffen beim RAV, fast zwei Monate seit meiner Arbeitslosigkeit. Sie sagten, sie hätten so viel zu tun, dass es für einen Termin nicht eher reichte.

Der 49-Jährige hat immerhin Aussichten auf einen neuen Job.

Der 49-Jährige hat immerhin Aussichten auf einen neuen Job.

Ich habe Karriere gemacht in Paris, aber ich bin fast 50 Jahre alt, und die Wahrheit ist doch: Sie suchen alle nur noch Frauen oder junge Männer, zwischen 20 und 35 Jahre alt. Schauen Sie sich die Annoncen an, ich falle da komplett durch. Doch ich versuche, positiv zu bleiben, ich mache Recherchen, ich suche einfach weiter und mache mir keinen Druck. Ich halte jetzt auch in anderen Bereichen nach einer Stelle Ausschau, in der Reinigung, als Chauffeur. Mittlerweile habe ich sogar erste Aussichten auf etwas Neues.

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