Er trägt die gelbe Kluft eines Todeskandidaten. Ein im Sarganserland und in Arbon aufgewachsener türkischstämmiger Mann wartet im Irak auf seine Hinrichtung. Bei der Rückeroberung von Gebieten, die unter Kontrolle des selbsternannten «Islamischen Staates» (IS) standen, fiel der Dschihadist den irakischen Truppen in die Hände. Das zeigen ­Recherchen von SRF und «Tages-Anzeiger».

Mehrere Männer zogen von Arbon in den Dschihad

Die irakischen Behörden machen dem Mann nun vor einem Spezialgericht in Bagdad den Prozess. Das gehe aus einem arabischen Artikel hervor, schreibt SRF auf seiner Webseite. Darin wird der Mann aus Arbon mit dem Kampfnamen Obeida und einem türkischen Vornamen bezeichnet. In Arbon war Obeida offenbar Teil einer Gruppe von Dschihadisten. Nach einer Analyse des «Tages-Anzeigers» wurden vier Personen verdächtigt, aus Arbon in den sogenannten Dschihad gezogen zu sein, darunter Obeida.

Radikale Moschee in Rorschach besucht

Einen der anderen Fälle machte 2015 die SRF-«Rundschau» publik. Zu diesem Mann, Alperen A., unterhielt Obeida enge Beziehungen. Aus seinem Umfeld werde mehrfach bestätigt, die beiden seien Freunde gewesen und hätten eine als radikal geltende Moschee in Rorschach besucht. Die irakischen Behörden zitierten im Artikel offenbar aus Vernehmungsprotokollen und bezeichnen ihn als IS-Mitglied.

Der Mann aus der Schweiz sei in einem Ausbildungslager in ­Syrien im Umgang mit Waffen geschult worden. Danach, so habe er selber ausgesagt, sei er in den Irak geschickt worden, wo man ihn gefragt habe, über welche Ausbildung er verfügte. «Ich sagte, dass ich im Bereich Strom und Elektrizität arbeitete», so seine Aussage gemäss der irakischen Justiz. Darauf folgte sein brisantes Geständnis: «Für neun Monate baute ich die Schaltkreise für Sprengladungen.» Der Mann aus der Schweiz soll sich als Bombenbauer des IS betätigt haben.

Recherchen von SRF und «Tages-Anzeiger» in seinem Umfeld ergaben, dass Obeida in der Schweiz lediglich die Volksschule abgeschlossen habe und es sich bei der Elektronik-Ausbildung um ein mehrmonatiges Praktikum handelte. Die Bundesanwaltschaft bestätigte gegenüber SRF, gegen diesen Mann in der Schweiz 2015 ein Strafverfahren eröffnet zu haben. Dies wegen des Verdachts des Verstosses gegen Art. 2 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen Al-Kaida und Islamischer Staat und verwandter Organisationen, sowie wegen des Verdachts der Unterstützung beziehungsweise Beteiligung an einer kriminellen Organisation. Das Strafverfahren wurde im Dezember 2016 sistiert.

Bundesamt verhängt Einreisesperre

Das Bundesamt für Polizei Fedpol hat vorsorglich eine Einreisesperre gegen den Mann erlassen, wie Fedpol-Sprecherin Catherine Maret gegenüber SRF bestätigte. Terrorismusexperte Guido Steinberg sagte im Interview mit SRF, der IS habe ständigen Mangel an Fachpersonal. Er hält es für glaubhaft, dass der Mann aus der Schweiz tatsächlich in Bombenfabriken des IS tätig gewesen sei.

Der Mann aus Arbon verfügte in der Schweiz über eine Niederlassungsbewilligung C, nicht aber die Staatsbürgerschaft. Deshalb leistet das Aussendepartement keinen konsularischen Schutz. Offenbar wurde das türkische Aussenministerium ein­geschaltet. Ein lokaler Anwalt scheint daran zu arbeiten, die Vollstreckung eines Todesurteils abzuwenden. (red)