Historisch

Drei Romands im Bundesrat – ein historischer Moment

Mit Guy Parmelin, Alain Berset und Didier Burkhalter verfügt die Romandie eine überproportional starke Vertretung im Bundesrat. Eine solche Konstellation ist historisch.

Mit 138 von 237 gültigen Stimmen im dritten Wahlgang gewählt: Guy Parmelin gewinnt das Rennen um den frei gewordenen Bundesratssitz.

Mit 138 von 237 gültigen Stimmen im dritten Wahlgang gewählt: Guy Parmelin gewinnt das Rennen um den frei gewordenen Bundesratssitz.

Gemessen am Bevölkerungsanteil von 25 Prozent hätten die Westschweizer Kantone und Kantonsteile Anspruch auf 1,75 Bundesräte. Mit dem neugewählten Guy Parmelin (SVP, Waadt), Innenminister Alain Berset (SP, Freiburg) und Aussenminister Didier Burkhalter (FDP, Neuenburg) sind es nun deren drei. Eine massive Übervertretung? Rein arithmetisch betrachtet ja.

In der 167-jährigen Geschichte der modernen Eidgenossenschaft gab es dies erst zweimal - und diese beiden Perioden können bei genaueren Betrachtung mit einem "Aber" versehen werden.

Didier Burkhalter, FDP, Kanton Neuenburg (3. von links), Alain Berset, SP, Kanton Freiburg (2. von rechts) und Neo-Bundesrat Guy Parmelin, SVP, Kanton Waadt (ganz rechts)

Der aktuelle Bundesrat mit drei Romands: Didier Burkhalter, Neuenburg (3. von links), Alain Berset, Freiburg (2. von rechts) und Neo-Bundesrat Guy Parmelin, Waadt (ganz rechts)

Didier Burkhalter, FDP, Kanton Neuenburg (3. von links), Alain Berset, SP, Kanton Freiburg (2. von rechts) und Neo-Bundesrat Guy Parmelin, SVP, Kanton Waadt (ganz rechts)

Nur gerade eineinhalb Jahre

Von Mitte Dezember 1959 bis Ende Juni 1961 nahmen erstmals drei welsche Bundesräte gleichzeitig Einsitz in der Landesregierung. Namentlich waren das Paul Chaudet (FDP, Waadt), Jean Bourgknecht (CVP, Freiburg) und Max Petitpierre (FDP, Neuenburg). Das Dreigestirn arbeitete jedoch nur gerade eineinhalb Jahre miteinander. Der gesundheitsbedingte Rücktritt des langjährigen Amtsinhabers und dreimaligen Bundespräsidenten Max Petitpierre beendete die historische Kurz-Periode. Jean Bourgknecht, der das Westschweizer Trio mit seiner Wahl 1959 komplettierte, legte sein Amt übrigens nach einem Schlaganfall 1962 auch nieder. 

Von links: Paul Chaudet (FDP Waadt), Max Petitpierre, (FDP Neuenburg) und Jean Bourgknecht (CVP Freiburg)

Nur für kurze Zeit teilten diese drei Westschweizer das Bundesratszimmer (1959-1961). Von links: Paul Chaudet (FDP Waadt), Max Petitpierre, (FDP Neuenburg) und Jean Bourgknecht (CVP Freiburg)

Von links: Paul Chaudet (FDP Waadt), Max Petitpierre, (FDP Neuenburg) und Jean Bourgknecht (CVP Freiburg)

Deiss, Calmy-Rey und Couchepin

Zu einer gemeinsamen Arbeit dreier Westschweizer Bundesräte kam es erst gut 50 Jahre später wieder. Während dreieinhalb Jahren (Dezember 2002 bis Juli 2006) teilten Michéline Calmy-Rey (SP, Genf), Joseph Deiss (CVP, Freiburg) und Pascal Couchepin (FDP, Wallis) das Bundesratszimmer. Wobei: In der öffentlichen Wahrnehmung wurde Bundesrat Joseph Deiss kaum je als genuin welscher Magistrat angesehen - dafür beherrscht der in der Region Freiburg aufgewachsene Deiss den Deutschschweizer Dialekt einfach zu gut.

Der Rücktritt von Joseph Deiss beendete diese Zeit einer Westschweizer Dreifach-Vertretung im Juli 2006. Auf Joseph Deiss folgte übrigens die heutige Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr und Kommunikation, Doris Leuthard (CVP, Aargau). 

Mit Blick auf die Geschichte kann also durchaus gesagt werden: Mit der heutigen Wahl des Waadtländer Weinbauers Guy Parmelin erlebt die Schweiz einen wirklich historischen Moment. (rhe)

Von links: Pascal Couchepin, FDP Kanton Wallis, Joseph Deiss, CVP Kanton Freiburg und Micheliné Calmy-Rey, SP Genf

Von 2002 bis 2006 gemeinsam im Bundesrat: Von links: Pascal Couchepin, FDP Kanton Wallis, Joseph Deiss, CVP Kanton Freiburg und Micheliné Calmy-Rey, SP Genf.

Von links: Pascal Couchepin, FDP Kanton Wallis, Joseph Deiss, CVP Kanton Freiburg und Micheliné Calmy-Rey, SP Genf

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