Abstimmungen
Drei mal Nein und unterdurchschnittliche Stimmbeteiligung

Das Scheizer Stimmvolk lehnt die drei eidgenössischen Vorlagen Managed Care, Bausparen und Staatsverträge dutlich ab. Kein einziger Kanton stimmte zu. Die Stimmbeteiligung ist mit 38 Prozent zudem erstaunlich niedrig.

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Abstimmung vom 17. Juni: Es zeichnet sich ein dreifaches Nein ab

Abstimmung vom 17. Juni: Es zeichnet sich ein dreifaches Nein ab

Keystone

Gegen 38 Prozent der Berechtigten haben am Wochenende abgestimmt. Damit liegt die Beteiligung unter dem langjährigen Mittel. Die meisten Urnengängen mobilisieren 43 bis 44 Prozent der Stimmbürger und Stimmbürgerinnen.

Schaffhausen Top, Glaurus Flop

Die höchste Beteiligung meldete einmal mehr Schaffhausen, der Kanton mit «Stimmzwang»: Dort äusserten sich gegen 60 Prozent der Berechtigten zu den drei eidgenössischen Vorlagen. Höher als anderswo war die Beteiligung mit über 48 Prozent auch in Genf, wo unter anderem ein neues Regierungsmitglied gewählt wurde. Zuunterst auf der Liste findet sich Glarus mit einer Stimmbeteiligung von rund 25 Prozent. Im Landsgemeinde-Kanton hatten die Stimmenden über keine kantonalen Vorlagen zu befinden.

So stark wie Ausländer- und Europa-Vorlagen vermochten die drei Vorlagen vom Wochenende längst nicht zu mobilisieren. An den Abstimmungen zur Ausschaffungsinitiative 2010 und zur Volksinitiative für ein Minarett-Verbot im Jahr 2009 beteiligten sich jeweils rund 53 Prozent der Stimmberechtigten.

Starke Veränderung des Wahlverhaltens

Wäre letzte Woche abgestimmt worden, hätten 58 Prozent gegen die Managed-Care-Vorlage gestimmt, 14 Prozent mehr als noch vor einem Monat, wie die SRG am Mittwoch mitteilte. Gleichzeitig verringerte sich der Ja-Anteil um 5 auf 28 Prozent. Unentschlossen waren 14 Prozent (Vormonat 23 Prozent).

Die AUNS-Initiative "Staatsverträge vors Volk" wäre mit 55 Prozent Nein zu 33 Prozent Ja verworfen worden. Bei der ersten Umfrage waren noch 44 Prozent dafür und gleich viele dagegen.

Ins Nein gekippt ist auch die zweite Bausparinitiative. 45 Prozent (Vormonat 38 Prozent) wollen das Begehren der Hauseigentümer jetzt ablehnen, 42 Prozent (47) sprachen sich dafür aus.

Die Umfrage der SRG wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 25. Mai und dem 2. Juni bei 1403 stimmberechtigten Personen in allen Landesteilen durchgeführt.

Nach wie vor unterdurchschnittlich ist laut Umfrage das Interesse an der Volksabstimmung: 37 Prozent (Vormonat 36) bekundeten die Absicht, bestimmt daran teilzunehmen. Das sind klar weniger als die durchschnittliche Stimmbeteiligung von 45 Prozent in den letzten Jahren.

Verbreitet Skepsis

Die bereits in der ersten Befragung festgestellte Skepsis gegenüber Managed Care hat sich weiter verstärkt. Laut den Wissenschaftlern von gfs.bern ist diese negative Meinungsbildung für eine von Bundesrat und Parlamentsmehrheit beschlossene Behördenvorlage eher unüblich.

Auch in allen drei grossen Sprachregionen hat sich mittlerweile eine ablehnende Mehrheit gebildet. In der Deutschschweiz liegt sie bei 57 Prozent, in der französischen Schweiz gar bei 67 Prozent und in der italienischen Schweiz bei 63 Prozent.

SVP allein gegen alle

Waren in der ersten Befragung zur AUNS-Initiative "Staatsverträge vors Volk" noch 44 Prozent Ja und 44 Prozent Nein zu verzeichnen, so hat sich der Trend nun klar gegen die Initiative gewendet. Das ist laut gfs.bern vorwiegend darauf zurückzuführen, dass jetzt auch die Gruppe der Partei-Ungebundenen ins Nein-Lager geschwenkt sei.

Parallelen zum 11. März

Auch bei der Bausparinitiative hat sich der Trend seit der ersten SRG-Umfrage in Richtung Nein entwickelt. Die Nein-Seite legte um 7 auf 45 Prozent zu, das Ja-Lager schrumpfte um 5 auf 42 Prozent. Gemäss gfs.bern kann die Meinungsbildung zu dieser Vorlage mit jener verglichen werden, die am 11. März zur Abstimmung kam.

(kgh/sda)