Doris Leuthard

Doris Leuthards Mission in China

Bundespräsidentin Leuthard und ein Tross von 29 Wirtschaftspersönlichkeiten aus der Schweiz besuchen zurzeit China. Die wirtschaftlichen Beziehungen zum Reich der Mitte sind vielversprechender denn je.

Sabina Sturzenegger

Gestern kam Bundespräsidentin Doris Leuthard mit ihrer Delegation in der chinesischen Hafenstadt Schanghai an. Wahrscheinlich fand die Magistratin wegen des dicht bepackten Programms ihrer Reise kaum Zeit für einen Bummel entlang der Flanier- meile The Bund.

Sonst hätte sie sicher auch die neu eröffnete Swatch-Luxusboutique besucht. Das Ladenlokal im Art Peace Hotel des Schweizer Uhrenunternehmens zeigt, was im Moment zwischen der Schweiz und China abläuft: Die Chinesen lieben die Schweiz und Schweizer Produkte, und die Schweizer Wirtschaft setzt auf China.

«Intensiv und profitabel»

Auf wirtschaftlichem Niveau sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern «intensiv und profitabel», wie es das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) formuliert. Zahlen illustrieren dieses Verhältnis: Die Schweiz ist eines der wenigen westlichen Länder mit einem Überschuss in der Handelsbilanz mit China. 2009 wurden für 5,5 Milliarden Franken Waren exportiert, die Einfuhr summierte sich auf 5,2 Milliarden (vgl. Grafik).

Die Summe der Ein- und Ausfuhren zwischen den beiden Ländern dürfte dieses Jahr den Rekord aus dem Jahr 2008 von 11,1 Milliarden Franken brechen. Bereits zur Jahresmitte beträgt die Bilanz 6,2 Milliarden Franken. Von Januar bis Mai 2010 nahmen die schweizerischen Exporte im Vergleich zur Vorjahresperiode um 30,4 Prozent, die Importe um 11 Prozent zu. Die Volksrepublik ist damit unser drittwichtigster Zulieferer (hinter der EU und den USA) und der viertwichtigste Absatzmarkt für Schweizer Produkte (hinter der EU, den USA und Japan).

Grosser Schritt für KMU

Swatch, ABB, Holcim, OC Oerlikon oder Novartis spüren diesen Megatrend schon lange, viele von ihnen sind bereits seit vielen Jahren in China tätig. Für KMU ist der Schritt ins Reich der Mitte schwieriger, die Verheissungen sind jedoch umso grösser: Die rasant wachsende chinesische Bevölkerung hat nicht nur einen immensen Bedarf an Autos, Medikamenten, Luxusgütern und Investitionsgütern, sie braucht auch immer mehr umweltschonende Produkte sowie ressourcensparende Verfahren und Dienstleistungen. Die Emissionsreduktion und damit saubere Technologien («Cleantech») werden immer wichtiger.

Milliarden-Investitionen geplant

«Die Investitionen der chinesischen Zentralregierung für Cleantech-Projekte belaufen sich in den nächsten fünf Jahren auf 500 bis 1000 Milliarden US-Dollar», sagt Uwe Krüger am Telefon aus Schanghai. Er ist der Leiter der Exportplattform für den Schweizer Cleantech-Sektor. Als Delegationsmitglied setzt sich Krüger «für das grosse Knowhow» von Schweizer KMU im Cleantech-Sektor ein. Und die Chancen stehen gut: «Die Cleantech-Branche erhält in China zurzeit grosse Aufmerksamkeit», berichtet Krüger.

Doch bis es so weit ist, dass auch die Schweizer Cleantech-KMU im Reich der Mitte Fuss gefasst haben, braucht es aber noch «viel Geduld und Zeit», wie Martin Elbel von der Osec, dem Schweizer Aussenwirtschaftsförderer, sagt.

Das Ziel von Doris Leuthards Mission ist somit klar: Es gilt, einem Freihandelsabkommen mit China den Weg zu ebnen und damit auch vielen KMU den Zugang zu diesem Milliardenmarkt zu ermöglichen. Am Montag wurde die dritte Etappe einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie für das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China in Angriff genommen.

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