Verkehr
Doris Leuthard und das Auto

Beeinflusst der Lebensstil politische Entscheidungen? Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet unter Leuthards Ägide ein zweites Loch für den Strassenverkehr in den Gotthard gebohrt werden soll? Immerhin ist Leuthard weitherum als Auto-Fan bekannt.

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Verkehrsministerin Doris Leuthard und ds Auto
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Ein Lastwagenchauffeur erklärt Verkehrsministerin Doris Leuthard die Funktionsweise eines Lastwagens während einem Rundgang durch den Schweizer Nutzfahrzeugsalon «Transport-CH» in Bern im November
Verkehrsministerin Leuthard im Porsche 918 Spyder während des Autosalons 2010
Doris Leuthard im Porsche 918 Spyder während des Automobilsalons 2010.
Verkehrsministerin Leuthard mit Frank M. Rinderknecht, CEO von Rinspeed, mit dessen Elektroauto E-Speddster UC.

Verkehrsministerin Doris Leuthard und ds Auto

Keystone

Beeinflusst der Lebensstil politische Entscheidungen? Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet unter Doris Leuthards Ägide ein zweites Loch für den Strassenverkehr in den Gotthard gebohrt werden soll? Immerhin ist die Verkehrsministerin weitherum als Auto-Fan bekannt.

Als sie vor zwei Jahren – noch als Wirtschaftsministerin – den Genfer Autosalon eröffnete, sprach sie mit strahlenden Augen «Ich fahre gern Auto» in jede Kamera und gab eine philosophisch anmutende Liebeserklärung an die vier Räder ab: «Für mich ist und bleibt das Auto in erster Linie gleichbedeutend mit Freiheit.» Trotz allen Herausforderungen – mutmasslich meinte sie Klimawandel, Rückgang der Ressourcen und Verkehrsprobleme – dürfe die Freude am Fahren und die Ästhetik der Karosserie nicht vergessen werden.

Unter Einsatz des eigenen Lebens

Selbst fährt die Magistratin besonders gern Cabrio. 2007 legte sie sich ein 330d-Cabrio der Marke BMW zu, bezahlt vom Steuerzahler. Doch schon als Nationalrätin pflegte die Aargauerin eine innige Beziehung zu ihren Gefährten: Als 2005 das Matte-Hochwasser die Berner Quartiere an der Aare unter Wasser setzte, soll Leuthard unter Einsatz ihres Lebens noch in die bereits überflutete Garage gehechtet sein, um ihren Wagen zu retten.

Vor diesem Hintergrund fragt man sich, wie weit der persönliche Lebensstil An- und Einsichten prägt und politische Entscheide beeinflusst. Leuthards Vorgänger Moritz Leuenberger hat aus seiner Vorliebe für die Schiene nie einen Hehl gemacht – und gegen alle Widerstände die Neat realisiert. Obwohl er wusste, dass das Mega-Bauwerk nie rentieren würde. Doch Leuenberger sah die Neat als politische Vision.

Zivilisatorische Errungenschaft

Ähnlich könnte Leuthard das Auto als zivilisatorische Errungenschaft sehen, die es zu verteidigen gilt. Dafür spricht einiges: beispielsweise, dass kurz nach ihrem Amtsantritt die von Leuenberger angedachten städtischen Umweltzonen im Rundordner landeten. Diese hätten Autos mit hohem Schadstoffausstoss aus den Städten verbannt. Und nun bekommen sie mehr Platz im Gotthard. (SER)