Wahlschlappe
Doris Leuthard bringt der CVP nur noch wenig

Die Beliebtheit der Bundesrätin lässt sich nicht in Wählerstimmen ummünzen. Das zeigte sich am Wahlsonntag in Leuthards Heimatkanton, im Aargau, deutlich. Die CVP verlor bei den Grossratswahlen erneut Wähleranteile.

Lorenz Honegger
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Leuthards Einsatz im Aargauer Wahlkampf trug kaum Früchte.

Leuthards Einsatz im Aargauer Wahlkampf trug kaum Früchte.

Chris Iseli

Bei Beliebtheitsumfragen zu den sieben Bundesräten gibt es eine Konstante: CVP-Bundesrätin Doris Leuthard aus dem Kanton Aargau steht so gut wie immer an erster Stelle. In der letzten Erhebung sprachen ihr nahezu drei Viertel der Umfrageteilnehmer das Vertrauen aus.

Ein Zugpferd für die CVP ist sie trotzdem nicht – im Gegenteil. Ausgerechnet in Leuthards Heimatkanton hat die Mittepartei am Sonntag bei den Grossratswahlen erneut Wähleranteile (–1,76 Prozent) und zwei Sitze verloren.

«Bevölkerung merkt es nicht»

Mit zunehmender Konsternation stellen CVP-Parlamentarier aus allen Kantonen fest, dass sich die Popularität der eigenen Bundesrätin keineswegs in Wählerstimmen ummünzen lässt.

Die letzte im Nationalrat verbliebene Aargauer CVP-Vertreterin, Ruth Humbel, glaubt, Leuthard werde je länger, desto mehr als Einzelmaske wahrgenommen: «Die Bevölkerung identifiziert sie heute nicht mehr wie früher mit der Partei, als sie noch Präsidentin war.» Humbel betont, die Bundesrätin habe sich im Aargauer Wahlkampf stark engagiert und an mehreren Anlässen teilgenommen.

Noch stärker in den Dienst der Partei stellen könne sich Leuthard nicht, sagt auch Nationalrätin Kathy Riklin (ZH). Sonst werde sie von der politischen Konkurrenz und den Kollegen im Bundesrat angegriffen. Sie stellt fest: «Wir sind zwar mit den besten Leuten in den Exekutivbehörden vertreten, aber die Bevölkerung merkt es nicht.»

Was Riklin antönt, ist ein bekanntes Phänomen: Mitteparteien stellen in Kantons- und Kommunalregierungen meistens die Politiker mit dem stärksten Rückhalt in der Bevölkerung. Genau umgekehrt verhält es sich in den Parlamenten, bei deren Wahl aufgrund des Proporzverfahrens nicht die einzelnen Köpfe, sondern vor allem der Ruf einer Partei wichtig ist. Aktuellstes Beispiel ist auch hier der Aargau, wo CVP-Finanzdirektor Roland Brogli am Wochenende trotz der Schlappe bei den Grossratswahlen mit 92645 Stimmen von allen sechs Regierungsräten das beste Resultat erzielt hat.

Dass auch Doris Leuthard der CVP bei Wahlen nur noch wenig bringt, erstaunt trotzdem. Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (SO) erklärt es damit, dass die Magistratin als Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) Themen bewirtschaftet, bei denen die Partei nicht tonangebend ist. Im Atomkanton Aargau habe vermutlich auch der von ihr initiierte Atomausstieg einige Wähler abgeschreckt, weshalb das Wahlresultat für die nationale Ebene nur bedingt aussagekräftig sei.

«Müssen uns emanzipieren»

Gemäss Parteipräsidiumsmitglied und Nationalrat Gerhard Pfister (ZG) sind Führungsfiguren wie Leuthard vor allem bei der Mobilisierung der Parteibasis wertvoll. Die Bevölkerung hingegen bringe erfolgreiche Politiker nicht automatisch mit deren Partei in Verbindung, sagt er. «Eine populäre Bundesrätin alleine ersetzt gute Ideen nicht. Zudem wird auch sie nicht für die nächsten 100 Jahre in der Landesregierung bleiben. Die CVP muss sich von Frau Leuthard emanzipieren.» Das gehe nur über Inhalte. Pfister glaubt, die CVP könne zurück zu altem Ruhm finden, wenn sie sich künftig noch stärker als Partei des Mittelstandes etabliere. In einigen Kantonen funktioniere das schon heute sehr gut.