Zürich
Doris Fiala zu Plagiatsvorwurf: «Ich habe einen Fehler gemacht»

Erstmals bezieht die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala Stellung zum Vorwurf, sie habe Inhalte ihrer Diplomarbeit abgeschrieben. Sie gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben. Erhoben hat die Vorwürfe ein ehemaliges SVP-Miglied.

Roman Seiler
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FDP-Nationalrätin Doris Fiala.

FDP-Nationalrätin Doris Fiala.

An Ehrgeiz fehlte es Doris Fiala noch nie. Am vergangenen Sonntag sagte die freisinnige Nationalrätin Doris Fiala in der Sonntagspresse, sie sei bereit, eine Kandidatur für das Amt der Zürcher Stadtpräsidentin zur prüfen. Die Wahlen in den Stadtrat finden im kommenden Frühjahr statt. Nur einen Tag später erhob ein 31-jähriger Student der Erziehungswissenschaften den Vorwurf, die umtriebige PR-Frau hätte bei ihrer Nachdiplomarbeit zum Thema «Die schweizerische Migrationspolitik im Kontext der nationalen Sicherheit und globaler Zusammenhänge» für einen ETH-Lehrgang massiv geschummelt. Sie soll hunderte von Sätzen aus Quellen wie Wikipedia wortwörtlich übernommen haben. Ohne Anführungs- und Schlusszeichen und ohne entsprechende Quellenangaben.

Gestern sagte Doris Fiala in einem Interview gegenüber «Tele Züri»: «Ich habe einen Fehler gemacht. Dafür stehe ich auch hin. Es tut mir unglaublich leid.» Sie ärgere sich über sich: «Ich könnte mich ohrfeigen. Ich finde dies das allerletzte.» Sie betont aber auch, dass ihre Abschlussarbeit weder eine Dissertation sei, noch eine Masterarbeit: «Das war meine persönliche, selber bezahlte Weiterbildung.» Die fliege ihr nun um die Ohren: «Am heutigen Tag bin ich nicht gerade stolz auf mich.»

ETH prüft Verfahren

Die ETH erklärte, sie führe wegen den Plagiatsvorwürfen ein Verfahren durch, das in drei Monaten abgeschlossen sein soll. Im schlimmsten Fall könnte Fiala die Abschlussarbeit aberkannt werden. Aufgeflogen ist die Schummelei, weil der Student den Text mit einer Software durchsucht hat, die zur Erkennung von Plagiaten dient. Dabei fand die Software hunderte von Sätzen, die teilweise wortwörtlich in anderen Publikationen stehen.

Der Student soll zwischen 2010 und 2011 aktives Mitglied der SVP Rüschlikon (ZH) gewesen sein. Er kandidierte 2010 für ein Mandat als Schulpfleger. Damals hätte ihn die FDP mit dem Argument bekämpft, er sei zu jung für das Amt. Er verlor die Wahl. Gegenüber «Tele Züri» habe er erklärt, es gehe ihm nicht darum, mit der FDP abzurechnen. Er wolle Gerechtigkeit. Ein Interview musste er gestern zurückziehen. Die Uni hätte ihm einen Maulkorb erteilt.

Fiala hält das «für symptomatisch». Nur einen Tag, nachdem sie in der Sonntagspresse als mögliche Kandidatin für das Zürcher Stadtpräsidium gehandelt worden sei, stehe sie in einem «Riesengewitter». Das ist in der Tat symptomatisch für das Verhältnis der bürgerlichen Parteien im «rot-grünen» Zürich.

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