Die ETH hat Ihren Mastertitel aberkannt. Sie hätten sich fahrlässig verhalten, schreibt sie. Eine fahrlässige Politikerin - warum treten Sie nicht von Ihren politischen Ämtern zurück?

Doris Fiala: Fahrlässiges Handeln allein ist kein Grund für einen Rücktritt. Das Gutachten und die ETH bestätigen, dass ich weder betrogen noch geschummelt habe, sondern fahrlässige Fehler beim Zitieren beging. Das bedaure ich zutiefst. Aber nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Wenn Sie nur noch Politiker akzeptieren, die vollends fehlerfrei sind, wären die Reihen in Parlamenten und Regierungen etwas leerer.

Andere Politiker fielen tief. Was unterscheidet ihren Fall etwa von der Plagiatsaffäre um den zurückgetretenen deutschen Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg?

Ich möchte betonen, dass diese Arbeit meine erste wissenschaftliche Arbeit überhaupt war. Ich habe mangelhaft referenziert, die Arbeit aber alleine geschrieben. Theodor zu Guttenberg dagegen hatte gemäss Medienberichten eine Dissertation teilweise in Auftrag gegeben.

Ihre erste wissenschaftliche Arbeit überhaupt - mussten Sie zuvor keine Seminararbeiten schreiben?

Es handelte sich um einen Nachdiplomstudiengang, für den es insgesamt 60 Credits benötigt (Anmerkung der Redaktion: ECTS sind Leistungspunkte, wobei ein Bachelor-Studiengang 180, ein Master-Studium zusätzliche 120 Punkte umfasst). Er ist damit nicht mit einem Bachelor- oder Master-Diplomstudiengang zu vergleichen. In dieser Weiterbildung musste ich zum Ende jedes einzelnen Blockes Prüfungen ablegen.

Dann haben Sie das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten gar nie geübt?

Nein, zu Beginn des Studiums bekam ich einen Leitfaden in die Hand gedrückt. Mein Fehler war, dass ich diesen Vorgaben schlicht zu wenig Beachtung schenkte. Doch auch die ETH gesteht Fehler ein: Ich wurde bei meiner Arbeit zu wenig engmaschig kontrolliert und begleitet. Die verlangten Qualitätsstandards sind nicht entsprechend hart kontrolliert worden.

Nun wollen Sie erneut zu Werke gehen und eine neue Arbeit schreiben. Worüber?

Ich habe das Thema bereits gewählt, jedoch muss es die ETH noch absegnen. Diesem Entscheid will ich nicht vorgreifen. Als nächstes werde ich mich erneut an der ETH immatrikulieren.

Was werden Sie diesmal anders machen?

Ich werde viel genauer referenzieren und meine Arbeit vor der Abgabe selber mit einem Plagiatsprogramm überprüfen, um sicher zu gehen.

Warum tun Sie sich das noch einmal an?

Auf diesem Misserfolg sitzen zu bleiben, wäre für mich schlimmer als noch einmal eine Arbeit in Angriff zu nehmen. Zweitens will ich anderen Frauen Mut machen, die wie ich zuerst Kinder gross gezogen haben und erst später Karriere machen konnten. Stolpersteine muss man überwinden. Drittens war ich die erste Frau, die zu diesem Studiengang zugelassen wurde - der Männerdomäne Sicherheitspolitik und Krisenmanagement. Es wäre deprimierend, auf diesem Misserfolg sitzen zu bleiben.