Lokalzeitungen
Dorfzeitungen aus der Stadt

Kommen die Redaktoren der Dorfzeitungen jetzt noch seltener an Gemeindeanlässe, wenn sie ihr Büro in Basel haben? Das ist die grösste Sorge der Gemeindepräsidenten von Birsfelden, Pratteln und Allschwil.

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mann am pc

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Muriel Mercier

Die wöchentlich erscheinenden Lokalzeitungen verlieren nun definitiv den Draht zu ihren Gemeinden. Wurden 2006 die Redaktionen des «Muttenzer und Prattler Anzeigers», des «Allschwiler Wochenblatts» und der «Reinacher Zeitung» nach Birsfelden abgezogen, haben sie sich jetzt, samt «Birsfelder Anzeiger» unter dem Dach der Basler Zeitung (BaZ) am Aeschenplatz in Basel einquartiert - ausser Reinach: die Einwohner werden seit Ende Dezember letzten Jahres nur noch online informiert. Nun stellt sich die Frage: Leiden die offiziellen Sprachrohre der Gemeinden künftig an ungenügender Informationspolitik?

Die Gemeindepräsidenten der betroffenen Orte sind sich darüber einig, wie es Anton Lauber aus Allschwil formuliert: «Den Umzug nach Basel spürt Allschwil nicht.» Der grosse Einschnitt sei gewesen, als die Redaktionen vor drei Jahren nach Birsfelden geholt wurden. Denn: «Bei den politisch interessierten Allschwilern geniesst das AWB einen hohen Stellenwert. Als unsere Redaktoren noch in der Gemeinde unterwegs waren, haben sie alle und jeden gekannt. Seit dem Wegzug von den Lesern fehlt die lokale Verankerung, Unmittelbarkeit und Nähe sind verschwunden.»

Josua Studer, Einwohnerrat und SVP-Landrat Allschwil, stimmt Lauber zu. «Von dem Moment, als sich das Büro in Birsfelden befand, hat die Qualität der Zeitung enorm abgenommen.» Für ihn gibt es nur eine Lösung: «Das AWB muss wieder auf eigenen Füssen stehen. Für die BaZ rentieren die Lokalzeitungen nicht. Deswegen muss was geschehen, bevor sie von der BaZ eingestellt werden.»

Briefkasten für Leserbriefe unnötig

Der Birsfelder Gemeindepräsident Claudio Botti sieht das Problem weniger im örtlichen Wechsel des «Birsfelderlis» als vielmehr in der Befürchtung, die Qualität könne noch mehr leiden. «An Gemeindeanlässen muss der Birsfelder Anzeiger anwesend sein.» Das sei in letzter Zeit nicht immer so gewesen. «Vielleicht nimmt diese Entwicklung in nächster Zeit noch zu.» Die Erreichbarkeit zwischen der Gemeinde und der Redaktion werde aber nicht beeinträchtigt.

Beat Stingelin, der Prattler Gemeindepräsident, teilt sowohl Studers als auch Bottis Sorge: «Für Pratteln ist wichtig, dass die Redaktoren vor Ort sind, wenn Anlässe stattfinden.» Es sei das Problem der Journalisten, wenn diese eine längere Strecke zurücklegen müssten. Punkto Erreichbarkeit sieht auch Stingelin keine Probleme durch den Standortwechsel. «Als das Prattler Büro nach Birsfelden zügelte, haben wir über ein Jahr lang einen Briefkasten für Einwohner installiert, die gerne Leserbriefe hinterlegen wollten. Das wurde bald nicht mehr genutzt.»

Lorenzo Vasella, Chefredaktor der LV Lokalzeitungen Verlags AG, sieht nur Vorteile im Umzug nach Basel. «Die Verbindungen von Basel in die Gemeinden sind besser als von Birsfelden aus. Zudem kommen die meisten Leute aus unseren Gemeinden hin und wieder in die Stadt. Am Aeschenplatz sind wir besser erreichbar.»

Gleichzeitig wie die Information, die Lokalzeitungen ziehen nach Basel, kursiert das Gerücht, die BaZ würde in Liestal ihr Aussenbüro schliessen. Michael Rockenbach, Ressortleiter Baselland, dementiert aber: «Der Standort in Liestal bleibt bestehen.»

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