Dorfkernentlastung: Projekt gecheckt und abgespeckt

Am Montagabend muss Schönenwerds Gemeindeversammlung entscheiden, ob die Gemeinde jede Mitarbeit am Projekt Dorfkernentlastung einstellen soll. Inzwischen hat das Baudepartement des Kantons Solothurn das schon etliche Jahre alte Projekt überprüft und à jour gebracht.

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Dorfkernentlastung Schönenwerd

Dorfkernentlastung Schönenwerd

Zur Verfügung gestellt

Christian von Arx

Im Dorfkern von Schönenwerd kreuzen sich die Kantonsstrassen Olten-Aarau, Schönenwerd-Niedergösgen und Schönenwerd-Eppenberg. Um den Verkehr im Dorfkern zu reduzieren, hat der Kanton Solothurn schon 1995 ein Projekt erarbeitet. Es besteht aus zwei Teilen:
• dem Neubau einer Entlastungsstrasse für den Durchgangsverkehr vom Ortseingang Süd (Gretzenbach) her entlang von Bahnlinie, Bahnhof und Post bis zur bestehenden Einmündung der Gösgerstrasse in die Oltner-/Aarauerstrasse bei der Baloise Bank SoBa;
• dem Rückbau der Oltnerstrasse, die danach von der heute stark befahrenen Kantonsstrasse zu einer schmäleren, verkehrsberuhigten Gemeindestrasse würde.

Die Pläne für dieses Projekt hat der Regierungsrat im Jahr 2003 genehmigt. Gebaut worden ist es aber nicht: Zum einen, weil der Kanton angesichts der Grossprojekte in Solothurn und Olten dafür kein Geld hatte; zum andern, weil die Haltung in der Gemeinde stets gespalten war - überzeugten Befürwortern, vor allem in den Behörden, standen wild entschlossene Gegner an Gemeindeversammlungen gegenüber.

An neue Gegebenheiten angepasst

Inzwischen ist die Umfahrung Solothurn in Betrieb, der Bau der ERO westlich von Olten wird 2013 beendet. Damit rückt Schönenwerd als eines der nächsten grösseren Strassenbauvorhaben des Kantons in den Vordergrund. Weil das Projekt bald 15-jährig ist, hat das Solothurner Baudepartement eine Projektverifizierung vorgenommen: Eine Überprüfung, ob die gültigen Pläne noch den heutigen Tatsachen, Anforderungen und Bedürfnissen entsprechen. Die Gemeinde bildete eine Begleitgruppe unter der Leitung von Jörg Amsler.

Über das Ergebnis orientierten der zuständige Projektleiter im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT), Lothar Bürgi, der beauftragte Verkehrsingenieur Hansjörg Frey (Trimbach) und die Gemeindebehörden an einer öffentlichen Informationsveranstaltung. Rund 60 Interessierte, den vielseitigen Äusserungen nach zu schliessen durchaus unterschiedlicher Einstellung, konnte Gemeindepräsident Peter Hodel dazu am Montag im Casino begrüssen.

Laut Hansjörg Frey sind eine grössere und mehrere punktuelle Änderungen vorgesehen. Die grosse betrifft die Zufahrt ins obere und untere Bally-Areal von der neuen Entlastungsstrasse her: Diese soll à niveau erfolgen nicht mehr durch eine Unterführung. Das senkt die Kosten um rund 3 Mio. Franken, erfordert aber eine neue Planauflage.

Andere vorgeschlagene Anpassungen sind: Führung eines Velostreifens von der Oltnerstrasse entlang des Felsgartens Richtung Bahnhof; eine Rampe für Fussgänger und Velos vom Fussgängerstreifen SoBa bis zur Migros; eine Lichtsignalanlage beim SoBa-Knoten, um auch in den Spitzenzeiten die Einmündung aus der Oltnerstrasse in die neue Strasse zu gewährleisten; ein 6 Meter breiter Fussgängerstreifen mit Insel vom Storchengässli über die neue Strasse zum Bahnhof; Anschlüsse an die neue Strasse vom «Sutergässli» und vom südlichen Bahnareal.

Im Übrigen habe die Überprüfung die Annahmen des Projekts von 1995 bestätigt. Frey erklärte, der geplante 30-Meter-Kreisel bei der Einmündung der Gösgerstrasse vermöge den Verkehr aufzunehmen, Staus werde es dort aber in der Abendspitze (17 bis 18 Uhr) geben.

Lothar Bürgi vom AVT bezifferte die Kosten auf 22 Mio. Franken, bei einer Genauigkeit von plus/minus 20 Prozent. Der Anteil der Gemeinde wird etwa 25 Prozent betragen, die genaue Höhe bleibt auszuhandeln. Der Kanton will im Jahr 2010 die Neugestaltung der Verkehrsdrehscheibe Bahnhof Schönenwerd planen, 2011 die Ingenieurarbeiten vergeben und ab 2012 das Bauprojekt erarbeiten. 2014 könnte der Kantonsrat den Realisierungskredit bewilligen. Aus Sicht des Kantons könnte der Bau der Dorfkernentlastung Schönenwerd 2017 beginnen und bis 2020 fertig sein.

Am Montag alles in die Schublade?

In die Schubladen verschwinden muss das Projekt, wenn die Gemeindeversammlung Schönenwerd am nächsten Montag der Motion von Silvio Dreier zustimmt. Sie verlangt, dass die Gemeindebehörden alle Arbeiten am bestehenden Projekt einstellen.