Ein achtjähriger Bub aus Gryon VD prallte am Silvestertag mit seinem Bob in einen Heuschober, eine 21-jährige Schülerin aus Schafisheim AG stürzte drei Tage zuvor in Grindelwald mit dem Schlitten 20 Meter einen Abhang hinunter - beide sind gestorben.

So tragisch die Unfälle endeten - sie zeigen, dass Schlitteln immer häufiger unterschätzt wird. Dies unterstreicht auch ein Blick auf die Unfallzahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Waren es im Jahr 2000 noch rund 6000 Schlittelunfälle, kam es 2008 bereits zu rund 12 000 Unfällen. Mehr als die Hälfte davon betrifft Kinder.

Unkompliziert und günstig

«Die Tendenz geht klar nach oben», sagt bfu-Sprecher Rolf Moning auf Anfrage. Die Gründe für die steigende Anzahl Unfälle liegen laut dem Experten auch daran, dass heute viel mehr Leute schlitteln: «Es ist unkompliziert und im Gegensatz zum Skifahren günstig und deshalb immer beliebter».

Zudem seien in den letzten Jahren Schlittelbahnen wie Pilze aus dem Boden geschossen. «Und auch immer mehr Berghotels und Restaurants bieten einen fahrbaren Untersatz an, damit die Gäste ins Tal brettern können.»

Das Problem dabei: Viele unterschätzen die Geschwindigkeit und/oder überschätzen ihr Fahrkönnen. «Die meisten halten Schlitteln für ein Freizeitvergnügen und vergessen, dass es sich um einen Wintersport handelt für den man gut ausgerüstet sein muss», so Moning.

Gleich gefährlich wie Ski und Snowboard

Wie eine Studie der Unfallchirurgie des Kantonsspitals Chur aus dem Jahr 2009 zeigt, ist Schlitteln gleich gefährlich wie Skifahren oder Snowboarden. Laut den Daten, die das Spital in zwei Wintern zusammengetragen und auswertet hat, sind die Verletzungen, die sich Schlitterinnen und Schlittler zuziehen oft gravierend. Es kommt zu Schädel- und Hirnverletzungen, Rückenverletzungen bis hin zu Wirbelbrüchen sowie Brüchen der Vorderarme, der Sprunggelenke und der Beine.

«Todesfälle hat es bis jetzt zum Glück eher selten gegeben», sagt Moning vom bfu. Durchschnittlich komme es jedes zweite Jahr zu einem tödlichen Schlittelunfall. In diesem Winter liegt die Quote also schon über dem Schnitt.

Doch wie kann man Schlittelunfälle verhindern? Laut Moning ist die Ausrüstung besonders wichtig. «Hohe Schuhe mit dicken Sohlen sind für das Bremsen unabdingbar.» Auch bei der Schlittenwahl gibt es laut dem Experten einige Punkte zu berücksichtigen (siehe Box). Und gerade für Kinder bis 16 sei ein Helm ein Muss. «Ein Helm verhindert zwar den Unfall nicht, aber die Verletzungen sind weniger gravierend.» Im Vergleich zu den Skifahrern und Snowboardern, bei denen die Helmtragequote heute bei 76 Prozent liegt, Tragen bei den Schlittlern nur rund 10% einen Kopfschutz (bfu 2008).(jep)