Beide Seiten haben sich geirrt - sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Lex USA, des Steuerabkommens mit den USA, das im Juni nach harten Diskussionen vom Parlament versenkt wurde.

Die Befürworter befürchteten damals, die USA würden nun eine Schweizer Bank nach der anderen mittels Klagen ausknipsen. Die Gegner bezeichneten das Abkommen als unseriös, demütigend und erpresserisch - so etwas dürfe sich die Schweiz nicht bieten lassen, da müsse eine bessere Alternative her.

Weder das eine noch das andere ist eingetroffen, weder die ganz grosse Katastrophe noch ein Befreiungsschlag. Am Donnerstag haben die USA das Programm veröffentlicht, mit dem sich die Schweizer Banken von den Sünden der Vergangenheit freikaufen können.

Dabei zeigt sich: Es entspricht ziemlich genau dem, was das Parlament abgelehnt hatte. Mit dem Unterschied, dass jetzt halt der Bundesrat die Ermächtigung zur Datenlieferung gibt und nicht das Parlament.

Die USA bekommen das, was sie immer wollten. Auch die Höhe der Bussen bleibt sich gleich. Die Kapitulation erfolgt nun also einfach zweieinhalb Monate später.

Das markige Njet des Parlaments entpuppt sich als Pyrrhussieg. Psychologisch nicht zu unterschätzen: Die National- und Ständeräte können die Verantwortung von sich weisen, wenn das Programm nun doch noch die eine oder andere Bank in existenzielle Schwierigkeiten bringen sollte.

Man kann auch sagen: Das Parlament hat sich seiner Verantwortung entzogen und es dem Bundesrat überlassen, zu retten, was noch zu retten ist.

Inhaltlich gibt es nur einen Unterschied zwischen der jetzigen Lösung und der Lex USA: Dank dieser wäre das öffentliche Interesse, mit den USA zu kooperieren, höher gewichtet worden als der Datenschutz.

Jetzt aber ist diese Frage noch nicht geklärt. Insbesondere Anwälte, Treuhänder und Vermögensverwalter können von ihrem Widerspruchsrecht gegen die Datenlieferung Gebrauch machen. Da ist ungewiss, wie die Gerichte entscheiden. Und noch ungewisser, wie die USA im abschlägigen Fall reagieren würden.

Immerhin: Endlich ist eine Beilegung des US-Steuerstreits in Sicht. Und immerhin: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und ihr abtretender Staatssekretär Michael Ambühl konnten eine Lösung herbeiführen, die im Juni nicht zu sofortigen Klagen führte, obwohl die Amerikaner sehr verärgert waren.

Die Politik hat damit ihre Schuldigkeit getan. Jetzt liegt es an den Banken, die Sache in Ordnung zu bringen.

Machen wir uns nichts vor: Das wird happig. Das alles kann man beklagen, aber nicht ändern, weil die USA am längeren Hebel sitzen.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Je schneller die Banken die leidige Geschichte hinter sich bringen, desto besser.

Je schneller der Finanzplatz mit seiner Vergangenheit abschliessen kann, desto besser kann er sich auf die Geschäftsmodelle der Zukunft fokussieren. Dass diese mit weissem Geld stattfinden, steht nicht erst seit dieser Woche fest.