Dittingen
Dittingen will Schule im Dorf lassen

Weil es zu wenig Kinder hat, müsste der Kindergarten in Dittingen eigentlich schliessen. «Es ist nur ein vorübergehender Engpass», sagt Gemeinderat Eduard Jermann und beantragt beim Kanton eine zweijährige Sonderbewilligung.

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Schule Dittingen

Schule Dittingen

bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

Den offenen Brief an Bildungsdirektor Urs Wüthrich sieht der Dittinger Gemeinderat Eduard Jermann als letzte Chance. Er und das ganze Dorf brauchen so rasch wie möglich eine Antwort auf die Frage, ob Kindergarten und Primarschule in Dittingen bleiben. Die ungelöste Angelegenheit sorgt in der Laufentaler Gemeinde für Verunsicherung. «Momentan spricht das ganze Dorf darüber. Viele Bewohner sind derart besorgt, dass sie kaum noch Schlaf finden», sagt Jermann. Er weiss, wovon er spricht. Nicht nur, weil er als Behördenmitglied die Stimmung im 700-Seelen-Dorf schnell auffangen kann - er ist auch als Vater einer Tochter im Kindergartenalter direkt betroffen.

Sanierte Schule braucht Kinder

Dittingen muss sich mit demselben Problem wie andere kleine Baselbieter Gemeinden befassen: Es gibt zu wenig Kinder, um im kommenden Schuljahr eine komplette Kindergartenklasse zu bilden (laut kantonalem Gesetz muss sie aus mindestens acht Kindern bestehen). In solchen Fällen wird der Kindergarten geschlossen und die Kleinen müssten im Nachbardorf untergebracht werden.

Doch gegen diese Massnahme wehren sich die Dittinger mit Händen und Füssen. Der Gedanke, ihre fünf- und sechsjährigen Kinder täglich auf ein Postauto in Richtung Laufen, Zwingen oder Blauen setzen zu müssen, belastet sie. Doch es gibt auch einen praktischen Grund, um an der Schule im Dorf festzuhalten. «Noch in diesem Jahr wird die Sanierung des Schulhauses nach einem langwierigen Prozess abgeschlossen. Die Leute würden es nicht verstehen, sollte das Gebäude ab nächstem Sommer halb leer stehen», erklärt Eduard Jermann.

Eine zweijährige Ausnahmebewilligung würde die Nerven im Laufental beruhigen. Jermann rechnet nämlich damit, dass im Jahr 2012 der Engpass beseitigt ist. «Es reicht, dass zwei oder drei Familien mit Kindern nach Dittingen ziehen, und schon ist die Notsituation behoben.» Der Gemeinderat hofft, dass die Perspektive auf genügend Kinder den Vorsteher der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion milde stimmt. Urs Wüthrich entscheidet in Zusammenarbeit mit dem Amt für Volksschulen über die Bewilligungen.

Der Bildungsdirektor will sich nicht auf die Äste hinauslassen. Er könne erst eine Entscheidung treffen, wenn er die Zahlen vom Amt für Volksschulen vorliegen habe, sagt er auf Anfrage. «Sobald ich diese gesehen habe, werde ich einen Entschluss fassen. Das geht dann ziemlich schnell», antwortet er indirekt auf den offenen Brief aus Dittingen. Er sei übrigens immer hoch erfreut, wenn Leute um ihre Schule kämpfen würden.

Kreative Lösungen gesucht

Obwohl Wüthrich nicht auf den spezifischen «Fall Dittingen» eingeht, lässt er die Türen für eine positive Lösung offen. Der Kanton gebe nie Paragrafen gegenüber Kindern den Vorzug, betont er. «Dies gilt besonders dann, wenn eine Schule Perspektiven hat.» Laut Wüthrich spielt es ebenfalls eine Rolle, ob eine Schule um kreative Lösungen bemüht ist. Lauwil beispielsweise habe die Kindergarten- und die Primarschulstufe einfach zusammengefasst. Zudem unterstütze seine Direktion die Gemeinden bei Projekten wie die Kreisschule im Homburgertal. «Wir können viel, aber nicht für mehr Kinder in den Gemeinden sorgen», schliesst Wüthrich seine Gedanken schmunzelnd ab.

Schmunzeln dürften auch die Bewohner von Dittingen, falls sie vom Beispiel Eptingen hören. Die Oberbaselbieter Gemeinde hatte vor zwei Jahren mit dem genau gleichen Problem wie die Laufentaler zu kämpfen. Eptingen erhielt im 2008 eine zweijährige Bewilligung, weil der Kanton einsah, dass es sich um einen momentanen Engpass handelte.

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