Flyer gegen Schulsozialarbeit
Diskussionen um ein Flugblatt

Mit einem Flyer an alle Dietiker Haushalte gingen SVP und FDP auf Nein-Stimmenfang für die Abstimmung über die Schulsozialarbeit am 29. November. Dabei wurde ein Zitat des bekannten Kinderarztes Remo H. Largo verwendet – ohne dessen Wissen.

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Remo H. Largo

Remo H. Largo

Limmattaler Zeitung

Matthias Kessler

«Nicht die Schüler sind gestört, sondern unser Schulsystem!» Dieser prägnante Satz stammt von Remo H. Largo, langjähriger Leiter der Abteilung «Wachstum und Entwicklung» am Kinderspital Zürich und Bestsellerautor («Babyjahre», «Kinderjahre», «Schülerjahre»), zitiert in dieser Zeitung am 23. September.

Doch nicht nur das: Für ihr Flugblatt, auf dem sie für ein Nein zur definitiven Einführung der Schulsozialarbeit in Dietikon warben, benutzten SVP und FDP diesen Satz für ihre Zwecke, ohne dabei Rücksprache mit dem Urheber zu nehmen.

Erich Burri, SVP-Präsident «Angeregtes Telefonat - kein Streit-gespräch»

Erich Burri, SVP-Präsident «Angeregtes Telefonat - kein Streit-gespräch»

Limmattaler Zeitung

Mit der Verwendung seines Zitats sei er nicht einverstanden, erklärt Remo H. Largo auf Anfrage: «Es suggeriert, ich sei gegen Sozialarbeit in den Schulen». Wenn Bedarf bestehe, finde er den Einsatz von Schulsozialarbeitern berechtigt. Es dürfe aber nicht dazu führen, «dass sich die Lehrer noch mehr aus der Beziehungsarbeit mit den Schülern zurückziehen im Sinne von: Schwierige Schüler geben wir an den Sozialarbeiter ab.» Er habe, so Largo, als er von einer Privatperson aus Dietikon den Hinweis erhalten habe, SVP-Präsident Erich Burri angerufen. Dabei habe er eine Entschuldigung erhalten.

«Wir hätten Herrn Largo anfragen können», sagt SVP-Präsident Burri seinerseits, «das wäre kein Problem gewesen.» Aber das Zitat sei ja schon veröffentlicht und demnach verfügbar gewesen. Die Sache sei für ihn sowieso geklärt: «Ich hatte ein angeregtes Telefonat mit Herrn Largo - kein Streitgespräch», so Burri.

Das Dietiker Stimmvolk befindet am 29. November über die definitive Einführung der Schulsozialarbeit. Die Schulsozialarbeit wird seit 2002 provisorisch geführt. Der Stellenplan soll von heute 200 auf 290 Prozent angehoben werden; es entstehen jährliche Kosten in der Höhe von knapp 413 000 Franken.

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