23.45 Uhr und 26 Sekunden war es, als am Samstagabend in vielen Teilen des Landes die Erde bebte. Gemäss dem Schweizerischen Erdbebendienst (SED) lag das Epizentrum des Bebens mit der Stärke 4,2 auf der Richterskala zwischen dem Zuger- und dem Ägerisee in der Innerschweiz, die Erschütterungen waren aber vielerorts zu spüren.

Schäden wurden nicht gemeldet, was laut SED darauf zurückzuführen ist, dass das Beben seinen Ursprung in rund 30 Kilometer Tiefe hatte. Dennoch seien Erdbeben für die Schweiz eine ernst zu nehmende Bedrohung. «In der Schweiz resultiert die mittelstarke seismische Gefährdung aufgrund der dichten Besiedlung und der hohen Wertekonzentration bei gleichzeitig grosser Verletzbarkeit in ein vergleichsweise hohes Erdbebenrisiko», schreibt der SED in einem Merkblatt.

Relativ hohe Prämien

Vor diesem Hintergrund kämpfen verschiedene Politiker aus besonders gefährdeten Regionen wie dem Wallis und Basel für die Einführung einer obligatorischen, schweizweiten Erdbebenversicherung. Hauseigentümer können sich zwar bereits heute freiwillig gegen Erdbebenschäden versichern, die Prämien belaufen sich aber auf mehrere hundert Franken pro Jahr. Bei einer obligatorischen Versicherung würden für eine Liegenschaft mit einem Wert von 500000 Franken weniger als 50 Franken im Jahr fällig.

Der Nationalrat wird sich in der Frühjahrssession mit zwei Vorstössen zur Erdbebenversicherung befassen. Einer kommt vom Walliser CVP-Ständerat Jean-René Fournier, der andere stammt aus der Feder der Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Beide verlangen, dass der Bund eine solche Versicherung einführt. Dies würde jedoch eine Verfassungsänderung bedingen, weil der Bund hier keine Kompetenzen hat.

Fourniers Motion ist vom Ständerat angenommen worden, doch im Nationalrat droht beiden Vorstössen das Aus. Die zuständige Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie beantragt, ihnen nicht Folge zu geben. «Auch mit einer Versicherung wären die Schäden eines grösseren Erdbebens nicht gedeckt», erklärt der Aargauer SVP-Nationalrat Hans Killer, Vizepräsident der Kommission. «Sie würde nur die ‹Kasko-Mentalität› unterstützen, die den Eindruck vermittelt, man könne einfach alles versichern.» Ausserdem habe man sich in der Kommission daran gestört, dass die Kantone mit besonders gefährdeten Regionen keine kantonale Pflichtversicherung hätten, was immerhin ein erster Schritt zur Absicherung der Schäden wäre. Mit einem schweizweit geltenden Obligatorium würden diese Kantone hingegen von den Prämienzahlungen der anderen profitieren.

«Steter Tropfen höhlt den Stein»

Leutenegger Oberholzer hält dagegen, dass es gerade der Sinn einer flächendeckenden Versicherung wäre, grosse und kleine Risiken so zu verteilen, dass diese tragbar würden. Sie wirft den weniger erdbebengefährdeten Regionen mangelnde Solidarität vor: «Schliesslich zahlen wir Basler ja auch an die Schäden, die im Graubünden durch Lawinen hervorgerufen werden.» Sie ist für ihren Vorstoss daher optimistisch: «Es braucht vielleicht noch Zeit, aber irgendwann kommt die Versicherung», sagt sie. «Steter Tropfen höhlt den Stein.»