DIPLOMATIE
Die Botschafter staunen über die Leistung der Schweizer Nationalmannschaft

Die Botschafter aus aller Welt treffen sich im Berner Emmental. Sie reden dabei vor allem über den Sieg der Schweiz gegen Frankreich. Der Botschafter eines Landes fehlt.

Francesco Benini
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Botschafter mit Bundesweibelin in einem Holzbetrieb im Emmental.

Botschafter mit Bundesweibelin in einem Holzbetrieb im Emmental.

Parlamentsdienste

Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP) hatte die in der Schweiz akkreditierten Botschafterinnen und Botschafter am Dienstag zu einem Ausflug ins Emmental eingeladen. Auf der Tour gab es unter den Diplomaten fast nur ein Thema: das gescheiterte Rahmenabkommen mit der EU.

Nein, davon sprach niemand. Alle redeten vom Sieg der Schweizer Fussballnationalmannschaft über Frankreich.

Der deutsche Botschafter stellte den TV ab, als die Schweiz zurücklag

«Muy, muy excitante» – mitreissend – sei das Spiel gewesen, meinte der argentinische Botschafter. Er kennt mehrere Schweizer Spieler mit Namen, ist mit taktischen Feinheiten vertraut – und wies in seinen Ausführungen diskret darauf hin, dass Argentinien an der Copa América, dem Turnier in Südamerika, gerade Bolivien mit 4 zu 1 plattgemacht habe. Der deutsche Botschafter in Bern ist mit einem Schweizer verheiratet. Die beiden schalteten am Montagabend ernüchtert den Fernseher ab, nachdem Frankreich den dritten Treffer erzielt hatte. Dann trafen aber SMS aus Deutschland ein: Die Schweiz hole auf. Also zurück vor die Flimmerkiste.

Als schlagfertig erwies sich der Botschafter von Bosnien und Herzegowina. Auf die Frage, warum sich sein Land nicht für die EM qualifiziert hatte, antwortete er: «Das kommt davon, wenn unsere besten Fussballtrainer im Ausland arbeiten.» Vladimir Petkovic stammt aus Sarajevo.

Der Botschafter Kosovos warf sofort ein, dass der Balkan trotzdem gut vertreten sei am Turnier. Man müsse sich nur die Schweizer Fussballnationalmannschaft anschauen.

Auf dem Bundesplatz feiert der ägyptische Botschafter mit

Auf seinem Handy zeigte derweil der ägyptische Botschafter Bilder von feiernden Menschen auf dem Bundesplatz. Mit seinem Sohn sei er nach dem Spiel dahingegangen und habe sich mit den Schweizern gefreut. Auf die Frage, ob einem Kairoer Bern nicht wie ein verschlafenes Kaff vorkomme, antwortete er mit diplomatischem Überschwang: «No. Bern is heaven.»

Der Berner Regierungsrat Christoph Ammann (SP) hiess die Botschafter bei der Besichtigung eines Holzverarbeitungsunternehmens in Trub willkommen. Ammann zog Parallelen zwischen dem Kanton Bern und den Schweizer Fussballern: «Both underpromise and overdeliver» – beide leisteten mehr, als sie versprächen. Den Unterschied erwähnte er hingegen nicht: Die Nationalmannschaft erhält nicht wie der Kanton Bern jedes Jahr Hunderte Millionen Franken aus dem interkantonalen Finanzausgleich.

Einige Botschafter standen alleine im Holzbetrieb herum. Die Botschafter Weissrusslands und Nordkoreas schienen nicht richtig Anschluss zu finden. Und was sagte der französische Botschafter? Nichts. Er blieb der Exkursion fern. Er wusste wieso.