Sterbehilfe
Dignitas-Chef fordert Sterbehilfe für Alzheimer-Angehörige

Jetzt rüttelt der Gründer der Sterbehilfe-Organisation Dignitas, Ludwig A. Minelli, erneut an einem Tabu: «Für Ärzte muss endlich Rechtssicherheit geschaffen werden», sagt er.

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Keystone

Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli lanciert eine brisante Debatte: «Der Gesetzgeber ist gefordert, Demenzkranken und ihren Angehörigen mehr Möglichkeiten zu geben. In solchen Fällen sollte es erlaubt sein, dem Partner oder der Partnerin ein Rezept auszustellen, ohne dass dieser schwer krank ist.»

Die Notwendigkeit dafür ergibt sich für den Dignitas-Gründer aus dem Konflikt, «weil oft beide Partner ähnlich alt sind und der eine ohne den anderen nicht alleine zurückbleiben will». So sei zum Beispiel auch «gar kein Umfeld mehr vorhanden».Die heutige Gesetzgebung ist klar: Es darf weder den Demenzkranken noch dem gesunden Partner ein Rezept für das tödlich wirkende Medikament Pentobarbital ausgestellt werden. Echte Hlfe beginne dort, so Minelli, "wo angstfrei über solche Ideen gesprochen werden kann."

Nachdem in Rupperswil AG ein 64-jähriger Mann seine 73-jährige, schwerz demenzkranke Ehefrau erdrosselt hat, geht Minelli davon aus, dass diese Dramen zunehmen werden. "Letztlich ist es eine Verzweiflungstat", so Minelli. Rund 110 000 Schweizer leben heute mit einer Demenz. Bis 2050 wird aus demografischen Gründen von über 300 000 ausgegangen. Der Zürcher Oberstaatsanwalt Andreas Brunner lehnt den Vorschlag Minellis in der Zeitung ab: "Aus meiner Sicht ist keine Änderung anzustreben."