Kampfjet-Kauf

Dieser Tessiner testet für Ueli Maurer den Gripen

Fabio Antognini ist kein gewöhnlicher Militärpilot. Der 50-jährige Tessiner fliegt Kampfflugzeuge nicht nur – er testet sie, und dies seit den Neunzigerjahren. Als einer von wenigen Schweizern hat er den Jet aus Skandinavien schon mehrmals geflogen.

In der Luftwaffe nennen sie den Vater von drei Töchtern «Fanta». Das ist sein Fliegername, eine Kombination aus Vor- und Nachname.

Der Gesamtbundesrat verliess sich im November 2011 massgeblich auf «Fantas» Urteil, als er den Gripen zum Nachfolger des veralteten Tiger F-5 auserkor. Antognini und fünf andere Piloten waren zum Schluss gekommen, dass nicht nur die kostspieligen Modelle Rafale und Eurofighter, sondern auch der preisgünstige Gripen die Anforderungskriterien der Luftwaffe erfüllt.

Aufgewachsen ist Fabio Antognini in den Sechzigerjahren in Locarno, wo die Schweizer Armee seit 1941 die Grundausbildung ihrer Pilotenschüler durchführt. Als Kind sah er die mittlerweile ausgemusterten Schulungsflugzeuge Pilatus-P-3 am Himmel und hoffte, dass er sich eines Tages auch in einen dieser Flieger setzen könnte.

Die Ausbildung hat sich verändert

Nach der Lehre als Feinmechaniker wurde aus dem Traum Wirklichkeit: Aus 1800 Kandidaten erkor ihn die Luftwaffe zu einem von 24 Pilotenanwärtern seines Jahrganges. Der Vater war unglaublich stolz, der Mutter hingegen bereitete sein nicht ganz alltäglicher Beruf Sorgen. Bis heute bringt sie es nicht übers Herz, ihrem Sohn beim Fliegen zuzuschauen.

1983 erlangte Antognini die Militärfluglizenz für drei verschiedene Flugzeugtypen. Seither hat sich die Ausbildung stark verändert, sagt er mit seinem leicht italienisch gefärbten Schweizerdeutsch: «Heutzutage erwartet man von den Jungpiloten primär analytische Fähigkeiten. Als ich in der Pilotenschule war, musste ich lediglich fünf Analoginstrumente beherrschen. Dafür spielte das Fliegerische eine wichtigere Rolle.»

Damit er Testpilot werden konnte, holte er an der Fachhochschule ein Studium in Informatik nach und absolvierte in England eine spezielle Ausbildung. Dann, Mitte der Neunzigerjahre, konnte er die Einführung der F/A-18-Flotte aus nächster Nähe mitverfolgen.

Das Ansehen hat gelitten

Jetzt erlebt Antognini als verantwortlicher Ressortprojektleiter der Luftwaffe beim Gripen-Kauf das zweite Mammut-Beschaffungsprojekt seiner Karriere. Anfang Oktober hat die Armee zwei Gripen-Jets aus Schweden einfliegen lassen. Bevölkerung, Politiker, Medien und Armeeangehörige sollten sehen, dass der Gripen kein «Papierflieger» ist, wie es die Kritiker behaupten. Antognini begleitete die PR-Offensive von Verteidigungsminister Ueli Maurer mit Referaten und beantwortete geduldig alle Fragen – so auch gestern.

Im politischen Seilziehen um den Gripen und die sich abzeichnende Volksabstimmung sieht er viele Parallelen zur F/A-18-Beschaffung in den Neunzigern. «Die Dinge wiederholen sich», sagt er und wirkt dabei schon fast abgeklärt.

Doch als die Rede auf die Indiskretionen der vergangenen Monate kommt, verhärten sich seine Gesichtszüge: Das Ansehen der Schweizer Armee habe darunter gelitten, dass die Testberichte über die Kampfjettypen Gripen, Rafale und Eurofighter an die Presse weitergegeben worden seien: «Es ist uns nicht gelungen, die Informationen der Anbieter zu schützen. Das hat mich betrübt. Ich glaube, den Verantwortlichen fehlt es am Stolz, Schweizer zu sein.»

Seine Freude an der Fliegerei lässt sich Antognini aber nicht verderben. Obwohl er kürzlich 50 Jahre alt geworden ist, denkt er noch lange nicht ans Aufhören. «Solange medizinisch alles stimmt, will ich weiterfliegen.»

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