Dieser Mann hat in zwei Gemeinden das Sagen

Dieser Mann hat in zwei Gemeinden das Sagen

Thomas Isler ist Gemeindeschreiber in Mühlau und Gemeindeammann in Oberrüti – er tritt manchmal in beiden Funktionen an derselben Veranstaltung auf.

Fabian Muster

Entweder ist man Gemeindeschreiber, der die Gesetze und Reglemente in- und auswendig kennt und im Hintergrund die Geschäfte vorbereitet. Oder man ist Gemeindeammann, der die Entscheidungen anhand der Dossiers fällt und die Gemeinde nach aussen repräsentiert. Thomas Isler ist beides, Verwalter und Politiker in einem.

In Mühlau ist er seit Anfang 2009 als Gemeindeschreiber die rechte Hand des Gemeindeammanns, in Oberrüti hält er das Zepter seit neun Jahren gleich selbst in der Hand. Eine ungewöhnliche Konstellation. «Manchmal nehmen mich meine Kollegen schon hoch: ‹Bist du jetzt als Gemeindeammann oder Gemeindeschreiber hier?›» Seine Kollegen haben nicht ganz unrecht: An manche Veranstaltungen wird er in beiden Funktionen eingeladen. Oft zu seinem Vorteil. Beispiel Baugesetz: Als Gemeindeammann interessiere ihn der Verfahrensablauf, als Gemeindeschreiber möchte er mehr wissen über raumplanerische Aspekte.

Keine Interessenskonflikte

Ein Mann, zwei ähnliche Aufgaben. Entstehen da Interessenkonflikte? «Nein», sagt Isler bestimmt. Alle Verwaltungsebenen zwischen Oberrüti und Mühlau seien getrennt. Keine gemeinsame Feuerwehr, keine gemeinsame Schule, die Isler in die Bredouille bringen könnten. «Ich habe mit meinem Vorgänger in Mühlau und mit dem Gemeindeschreiber in Oberrüti gesprochen; beide sagten, die Sache sei kein Problem.» Auch rechtlich gesehen, steht dem Doppelmandat nichts im Wege. Verboten ist es aus Gründen der Gewaltentrennung nur innerhalb derselben Gemeinde.

Thomas Isler ist einer, der immer wieder neue Herausforderungen gesucht hat. Zuerst die Lehre als Landschaftsgärtner, dann die Ausbildung zum Kantonspolizisten, sich hochgearbeitet zum Postenchef in Sins und später zum Bezirkspostenstellvertreter in Muri, darauf ein Jahr beim Bundesamt für Strassen, jetzt Gemeindeschreiber.

Früher Polizist

«In der Gemeindeschreiberschule bin ich einer der Ältesten - und einer der wenigsten, die kein KV gemacht haben», sagt der bald 48-Jährige. Jeden zweiten Freitag und Samstag holt er an der Fachhochschule freiwillig nach, was seine Erfahrung nicht hergibt. «Aus Berufsstolz», wie er sagt. Trotz seines 130-Prozent-Pensums. Manchmal werde es schon ein bisschen eng, so Isler, dann arbeite er mal am Abend oder gehe etwas früher am Morgen in die Kanzlei, um nachmittags als Gemeindeammann Dossiers zu wälzen. Oder mit der Familie Zeit zu verbringen.

Vieles von dem, was er heute als Gemeindeschreiber braucht, war ihm schon während der 24 Jahre als Polizist geläufig: Gesetze kennen, um Täter zu überführen, Berichte schreiben, Fingerspitzengefühl beim Umgang mit Opfern. Das war auch dem Mühlauer Gemeinderat nicht entgangen, wie sich Gemeindeammann Josef Huwyler erinnert. «Als Polizist kannten wir ihn und wussten, wie er mit Leuten umgeht.» Die Gemeinde hatte sowieso Mühe, einen neuen Gemeindeschreiber zu finden. Die Stelle wurde mehrfach ausgeschrieben. Die beiden einzigen Bewerber hatten zuvor schon in Arni und Abtwil zugesagt.

«Weiss nun, was dahintersteckt»

Huwyler bereut die Wahl Islers jedenfalls nicht: «Er ist ein Mann mit vielen Ideen. Sehr umgänglich. Er passt zu uns.» Dass sich Isler als Gemeindeschreiber wie ein Gemeindeammann gebärde, konnte Huwyler bisher nicht feststellen. Huwyler hat es eher umgekehrt erlebt: Isler achte speziell darauf, dass er sich nicht zu stark einbringe.

Auch Christian Zemp, seit 27 Jahren Gemeindeschreiber in Oberrüti, bestätigt die vornehme Zurückhaltung Islers: «Unsere Beziehung hat sich seit dessen Job als Gemeindeschreiber nicht verändert.» Als alter Kämpe kann Zemp oft sogar noch etwas dazulernen. «Manchmal frage ich ihn, wie er eine Sache angehen würde.» Nicht als gegenseitiges Dreinreden, sondern als fruchtbares Zusammenarbeiten lässt sich die Beziehung beschreiben zwischen Gemeindeammann Isler und Gemeindeschreiber Zemp, zwischen Gemeindeschreiber Isler und Gemeindeammann Huwyler. Und was hat sich für Isler seither verändert? «Als Gemeindeammann weiss ich nun, was dahintersteckt, wenn das fixfertige Dossier eines Geschäfts vor mir liegt.»

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