Fifa-Skandal

Dieser Mann bringt Fifa-Präsident Sepp Blatter zu Fall

Michael Lauber

Michael Lauber

Der grosse Coup ist Michael Lauber als Bundesanwalt noch nicht gelungen. Der Fall Fifa könnte ihn nun sanieren.

Stets adrett gekleidet, stets charmant und kommunikativ stets auf der Höhe. Spricht man vom 49-jährigen Bundesanwalt Michael Lauber, geht es fast immer auch um Äusserlichkeiten. Das hat mit seinen souveränen öffentlichen Auftritten zu tun. Aber auch damit, dass er mehr als andere in sein Privatleben hineinblicken lässt. Lauber dürfte der erste Bundesanwalt sein, von dem man dank der «SonntagsZeitung» weiss, was er zum Znacht kocht («Verfeinerte Ravioli aus der Büchse») und dass er keinen grünen Daumen hat («Die Gartenarbeit ist die Domäne meines Partners»).

Dabei liefert Laubers Amt durchaus auch Stoff für eine inhaltliche Betrachtung. Er ist nach einer Restrukturierung der erste Bundesanwalt, der vom Parlament gewählt wurde. Das war 2011. In diesem Juni wurde er, wiederum mit einem hervorragenden Resultat, im Amt bestätigt. Gleichwohl säumen längst nicht nur Erfolge seinen bisherigen Weg an der Spitze der obersten Strafverfolgungsbehörde des Landes.

Gehörig verrannt hat sich die Bundesanwaltschaft etwa im Verfahren gegen die italienische Mafia-Organisation ’Ndrangheta. 13 lange Jahre hat die Behörde ermittelt, schliesslich musste sie den Hauptvorwurf der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation fallenlassen. Zudem führten ihn die italienischen Kollegen vor, als sie ein heimlich gefilmtes Video von einem Mafia-Treffen im Thurgau ins Internet stellten, ohne Lauber vorgängig zu informieren.

Auch der Fall des Financiers Dieter Behring, dem gewerbsmässiger Betrug und qualifizierte Geldwäscherei vorgeworfen wird, zieht sich seit über einem Jahrzehnt in die Länge. Mehrfach wurde eine Anklage angekündigt, gestern nun ist sie erfolgt. Ein Schuldspruch ist damit freilich noch lange nicht erreicht.

Zwar erwirkte sich Lauber dank seiner Ermittlungen gegen islamistische Bedrohungen besonders bei den bürgerlichen Parteien den Ruf eines Schaffers. Zwei al-Kaida nahestehende Iraker wurden letztes Jahr zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Dennoch zeigt sich: Der wirklich grosse Coup ist Lauber in seiner Amtszeit noch nicht gelungen. Der Fall Fifa hat nun aber das Zeug dazu, zu seinem bislang grössten Erfolg zu werden. Flankiert von der US-Justiz, leitete die Bundesanwaltschaft vor zwei Wochen ein Strafverfahren gegen Fifa-Präsident Sepp Blatter ein – und lieferte damit ein zentrales Mosaikstein in einem Fall, der am Mittwoch mit der Suspendierung Blatters einen vorläufig neuen Höhepunkt erreichte.

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