Altbüron
Dieser 95-Jährige steht nun schon seit 67 Jahren in seinem Dorfladen

Seit nicht weniger als 67 Jahren leitet Anton Schürch einen kleinen Lebensmittelladen im Luzerner 900-Seelen-Dorf Altbüron. Damit dürfte er der älteste Ladenbesitzer der Schweiz sein – mindestens.

Rolf von Arx
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Steht mit 95 Jahren noch im Einsatz: Anton Schürch in seinem Laden, links Kundin Claire Gsteiger.

Steht mit 95 Jahren noch im Einsatz: Anton Schürch in seinem Laden, links Kundin Claire Gsteiger.

«Ende der 30er-, Anfang der 40er-Jahre hat das ganze Dorf in meinem Laden eingekauft», sagt Anton Schürch, der am 4. Juli 95 Jahre alt wurde. «Die Menschen hatten ja noch keine Fahrzeuge.»

Vier oder fünf Personenwagen habe es damals gegeben in Altbüron. «Heute stehen fast vor jedem Haus so viele.» Zwar kommen immer noch 25 bis 30 Kunden pro Tag. Und an manchen Tagen sei schon bis um 7 Uhr ein halbes Dutzend Kunden bei ihm vorbeigekommen, um einzukaufen. Den Laden öffnet er täglich um halb sieben. Von Montag bis Samstag.

Wichtiger Kontakt zu Leuten

Doch 95 Jahre sind kein Pappenstiel. Anton Schürch sieht kaum mehr. «Ich kann nichts aufschreiben, muss alle Bestellungen in den Kopf ‹inebiige›», sagt er. Längst führe er nicht mehr alles. Es sei nicht mehr wie früher. «Wichtig für mich ist, dass ich noch ein bisschen Kontakt habe zu den Leuten.» Morgens um halb sechs steht Anton Schürch auf. «Dann mache ich ‹Zmorge›.» Diesen nimmt er dann von der Wohnung mit nach unten in den Laden. «So um sieben, halb acht esse ich dann.»

Apropos: Zum Essen müsse er sich zwingen, das sei eine Alterserscheinung, dass der Körper nicht mehr so viel brauche. Einer seiner fünf Söhne, der Arzt ist, habe ihm geraten, «streng», sprich regelmässig, zu essen. Das Mittagessen bringt ihm jeweils die Spitex. Und er ist zufrieden damit: «Besser als e bösi Chöchi», sagt er. Zwei seiner Söhne sind schon pensioniert «ond e schaffe natürli do», so Schürch und lacht.

Vor 67 Jahren konnte er zusammen mit Ehefrau Elsbeth Bucheli den Dorfladen übernehmen. Später das Haus kaufen, in dem er heute noch wohnt, und in dessen Erdgeschoss sich sein Lebensmittelladen befindet. Schürch war das älteste von sieben Kindern. In der fünften Primarschule musste er jeden Morgen, bevor er zur Schule ging, im Stall melken helfen. In der 6. habe er 54 Mal gefehlt.

«Krank war ich nie, aber ich musste zuhause helfen.» Dies, obschon es zu der Zeit noch sogenannte Heuferien gab. Mit 28 konnte er den Laden übernehmen. «Meine Frau und ich machten zahlreiche Kurse, weil wir ja nicht vom Fach waren.» Mit ihr feierte er noch die Diamanthochzeit. 60 Jahre. Im Jahr 2008 verstarb Elsbeth Bucheli.

Leute aus dem Dorf helfen ihm

Seit vier Jahren wohnt Claire Gsteiger in Altbüron. Als sie gesehen habe, dass hier jemand einen Tante-Emma-Laden führe, sei sie neugierig geworden. Heute kommt sie regelmässig zu Anton Schürch einkaufen. «Ein bisschen gesprächeln und schauen, dass es ihm gut geht», sagt sie. Claire Gsteiger erklärt, dass im Dorf ein Mann lebe, der Anton Schürch helfe, wenn handwerklich etwas zu tun sei in seinem Lebensmittelladen. Wenn zum Beispiel ein Wasserrohr leckt. Als es darum geht, ein Bild für die Zeitung zu schiessen, fordert Schürch den Schreibenden auf, die Telefonnummer von Jacqueline Bieri, einer Nachbarin, aus dem Telefonbuch herauszusuchen. Die Telefonnummer stellt er selber ein. Es geht nicht lange und die Nachbarin steht da. Sie ist sicher, dass Anton Schürch der älteste Ladenbesitzer der Schweiz ist. «Ich denke sogar Europas.»

«So, jetzt haben wir das auch», sagt der 95-Jährige. Es ist zu spüren, dass das lange Sprechen und Erzählen viel Kraft von ihm gefordert hat. Während des ganzen Gesprächs ist er immer bei der Kasse gestanden. Seinem Platz von Montag bis Samstag.

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